Praktische Gartentherapie und Soziales Gärtnern

Soziales Gärtnern bedeutet für Stefan Scholz, alle mit einzubinden und alle teilhaben zu lassen. Vor allem der Austausch während der Planung, der eigentlichen Gartenarbeit bis über die Ernte hinaus ist ein wichtiger sozialer Aspekt. Zum einen geht es um Wissenserwerb, um zukünftiges Gärtnern erfolgreicher zu machen. Noch wichtiger ist jedoch, dass der Gärtner darüber sprechen kann, was ihn bewegt, welche guten und evtl. auch frustrierenden Erlebnisse er hat. So können andere an diesen Erfahrungen teilhaben und ihre Unterstützung anbieten, ob in Form von Informationen, Motivation oder tatkräftiger Hilfe.

Ein Gärtner wird immer mit Freude über seinen gärtnerischen Erfolg belohnt. Ob es sich um eine vitaminreiche Ernte von Obst und Gemüse handelt, den wohltuenden Anblick eines farbenfrohen Blütenmeeres oder man sich seine Wohlfühloase zum Entspannen schafft. Ein Garten ist Arbeits- und Lebensraum. Immer wieder sind die verschiedensten handwerklichen Fähigkeiten gefragt, über den Gartenzaun kommt man in Kontakt mit Nachbarn sowie Passanten und auch mit Arbeitskollegen sowie im Freundeskreis liegt das Gesprächsthema Garten immer mehr im Trend. Der Gärtner als solcher hat eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Gärtnern verbindet über Kulturen hinweg.

 

Studie 1:
Untersuchungen von Roger Ulrich Ulrich, R. S. “View through a Window May Influence Recovery from Surgery.”,Science, 224: 42421

Zusammenfassung: Zwischen 1972 und 1981 wurden Aufzeichnungen von Cholezystektomie Patienten (Gallenblasenentfernung), während der Genesung in einem Krankenhaus im Vorort von Pennsylvania, untersucht. Ziel war es festzustellen, welchen Einfluss die Belegung eines Zimmers mit Fensteraussicht und mit Blick auf natürliche Umgebungen auf den Heilungsprozess hat. 23 operierte Patienten lagen in Zimmern mit Fensterblick und hatten einen kürzeren Krankenhausaufenthalt. Verantwortliche Krankenschwestern haben dazu kaum negative Auffälligkeiten bemerkt. Die anderen 23 Patienten ohne Naturaussicht mit Blick auf eine gegenüberstehende Ziegelwand hatten deutlich mehr Bedarf an Schmerzmitteln.

Selbst Natur-Fotos haben bereits einen ähnlichen, wenn auch schwächeren Effekt. Je mehr die Patienten mit der Natur in Berührung kamen, also optisch, mit Düften und/oder Geräuschen, desto rascher erfolgte die Erholung.

Bereits im alten Ägypten wusste man wohl um diese Zusammenhänge, denn dort gab es den Garten als ausgewiesenen Erholungsraum.

 

Studie 2:
Ulrich R.S “Stress recovery during exposure to natural and urban environments.”,Journal ofEnvironmental Psychology 11(3): 201-230.

Zusammenfassung: In einer Studie wurden120 Studenten ein Video von unterschiedlichen Naturlandschaften und städtischen Umgebungen vorgespielt.

Gesundheitsdaten über Stress, Erholung und Beeinflussung während der Präsentation wurden durch Selbsteinschätzung und durch den momentanen affektiven, sowie psychologischen Zustand ermittelt.

Die Erholung war schneller und ganzheitlicher bei Teilnehmern, denen natürliche Landschaften anstelle von städtischen Umgebungen gezeigt wurden. Diese Ergebnisse verstärken die psychoanalytische Evolutionstheorie von Dr. Ulrich,dass die Exkursion in der Natur einen heilenden Einfluss auf die positive Gefühlslage hat.

 

Gärtnern unterliegt einem Kreislauf, denn wer einmal angefangen hat, kommt meist nicht mehr davon los. So erfolgen gemäß den Jahreszeiten immer wieder die nahezu gleichen Arbeitsschritte, was jedoch nie zu langweiliger Routine wird, da alleine das Wetter, neue Sorten und nie ganz ausbleibender Schädlingsbefall genug Spannung in die Gartenarbeit bringen.

Arbeitsschritte:

  • Entdecken der Arbeit
  • Planen der Tätigkeit
  • Entschluss zur Arbeit
  • Durchführung
  • Kontrolle der Ausführung
  • Korrektur der Ausführung
  • Abschluss (Ist alles erledigt?)

Nach einem Rückblick und Vergleich mit der Ausgangssituation bzw. der anfänglichen Zielsetzung kann die nächste Aufgabe anvisiert werden.

Anhand von zwei Jugendlichen zeigte Stefan Scholz auf, in wie fern deren gesundheitlichen Beeinträchtigungen sich bei der gemeinschaftlichen Gartenarbeit auswirken. Er spricht sehr ungern von Behinderung, da es in der Regel das Umfeld ist, das die Jugendlichen behindert, dagegen die Jugendlichen selbst meist sehr schnell eine Möglichkeit finden, wie sie Aufgaben auf ihre ganz persönliche Art und Weise lösen, auch wenn das nicht der konventionellen Vorgehensweise entspricht. So hat einer der Jugendlichen Schwierigkeiten, sich zu artikulieren, daher hat er immer Schreibzeug dabei und zeichnet ein Tagebuch. Auf diese Weise kann er später bildlich unterstützt berichten, welche Aufgaben er erledigt und was er erlebt hat. Denn trotz seiner Sprachschwäche hat er das Bedürfnis, sich mitzuteilen und mit seiner Leistung wahrgenommen zu werden. Auch Fotos sind eine gut Unterstützung für spätere Berichte.

Gärtner-Laptop
Gärtner-Laptop

Stefan Scholz zeigte sein ganz und gar nicht digitales Gärtner-LapTop,(analoges Laptop) es bestand aus folgender Hardware:

  • Arbeitswanne
  • Erde
  • Töpfe
  • Saatgut

Mit dieser Ausrüstung und dem Wahlspruch „All you need is seed“ kann er überall loslegen und etwas Neues wachsen und gedeihen lassen.

Nun noch ein paar praktische Tipps von Stefan Scholz:

  • Aufsätze, um aus einer PET-Flasche eine Gießbrause zu machen, kann man kaufen oder selber den regulären Deckel anbohren bzw. mit einer heißen Nadel durchlöchern.
  • Um eine gleichmäßige Temperatur für eine gute Anzucht zu gewährleisten gibt es Heizschlangen, die man unter die Pflanzgefäße legen kann.
  • Werkzeug sollte mit der Stiellänge auf die Körpergröße angepasst sein, entsprechend auch beim Hochbeet. Holzstiele können meist problemlos gekürzt werden. Besonders ist auf stabile Griffe zu achten.

Mit diesem bunten Ideenstrauß und vielen Denkanstößen verabschiedete sich Stefan Scholz von den angehenden Projektgärtner und wünschte ihnen viel Erfolg beim Gärtnern in der Gemeinschaft.