Wissenswertes rund um Giftpflanzen

BV-Seminar am Samstag 16.September 2017 in München

Sie gehören zu unserem Umfeld genauso wie viele andere Pflanzen auch, die Giftpflanzen. Ihr Dasein ruft in der Regel Angst hervor, übt aber gleichermassen eine geheimnisvolle Faszination aus und wird meist falsch interpretiert .

Diesem Aspekt auf den Grund zu gehen und die Welt der Giftpflanzen verstehen zu lernen war die Motivation, dieses Seminar durchzuführen.

In der Münchner Städtischen Baumschule Bischweiler konnten im Themengarten „Giftpflanzen“ bei einem Rundgang besichtigt werden. Bei der Führung von

Peter Schlinsog,Dipl.Ing (agr.Univ.) vom Baureferat Gartenbau wurde auf jede der nach Pflanzenfamilien angelegten Beete auf giftige Pflanzen eingegangen.

Die einen blühen prachtvoll, andere duften verführerisch oder tragen leuchtende Beeren.
Von der Eibe, Goldregen, Efeu, gemeine Heckenkirsche bis zu Tollkirsche und Orleander.

Was ist denn giftig? Wann ist es giftig? Oder wo ist es für uns giftig?

Ausschlaggebend für die Konzentration der Giftstoffe sind mehrere Faktoren:

  • der Mensch oder auch das Tier mit seiner eigenen Konstitution, Gesundheitszustand und Körpergröße
  • welche Pflanzenteile werden aufgenommen
  • die Anreicherung der Giftstoffe in der Pflanze, die durch die Assimilation zu allen Tageszeiten unterschiedlich ist
  • Reifezustand der Pflanze
  • Verarbeitungszustand der Pflanze
  • die Art der Aufnahme der Giftstoffe, ob über Schleimhäute, Haut oder durch Verzehr

Ob im Wald, im Garten oder an Grünanlagen, Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen werden wir überall vorfinden und können nur durch Wissen um diese „Besonderheit“ gut miteinander leben.

 

Das Wissen über Giftpflanzen aus der Sicht der Medizin wurde in einem Vortrag von Frau Dr.Gabriele Dostal, ehem.Klinikum Rechts der Isar, Abt.Klinische Toxikologie und Giftnotruf vermittelt.gen mit Pflanzen

In der der Giftnotrufzentrale gehen etwa  36 - 38.000 Anrufe pro Jahr ein. Vergiftungen mit Pflanzen stehen dabei mit 11% an dritter Stelle.Medikamente und Reinigungsmittel übernehmen den Großteil der Vergiftungsfälle.

Es sind nicht immer Kinder, die im Spiel oder aus Neugierde sich mit Pflanzen vergiften. Dazu gehören auch Erwachsene die giftige oder ungeniessbare Pflanzen mit Wildkräuter und Gartenkräuter verwechseln.

Leicht verwechselt werden können  Borretsch mit Fingerhut, Herbstzeitlose mit Bärlauch, Eibe mit Rosmarin, oder Eisenhut mit Petersilie sein.

 

Toxische Aminosäuren, die auch in Buschbohnen enthalten sind, und ab 42°C zerstört werden oder die Blausäure in der Bittermandel oder im Aprikosenkern,sind einige Beispiele,die zeigen, dass auch in der Nahrungszubereitung Gift und Genuss eng beisammen liegen.

Azaleen als Zimmerpflanzen, Tulpen im Garten, Gemüse wie Kartoffeln und Tomaten oder die Weinraute im Kräuterbeet, sind Pflanzen, die aus unserem Alltag nicht weg zu denken sind. Und doch können diese Pflanzen beispielsweise eine Photosensibilisierung bei Hautkontakt auslösen oder giftiges Solanin anreichern.

Da uns Pflanzen beide Facetten  präsentieren, kann nur durch Fachwissen  die richtige Entscheidung bei der Verwendung getroffen werden.

Kinder rechtzeitig mit Pflanzen und Natur vertraut zu machen ist aus  Sicht von Frau Dr. Dostal sehr wichtig, da sich jeder schwer tut, der nicht mit Pflanzen aufwächst, deren Eigenschaften zu erkennen.

Man muss lernen Pflanzen zu verstehen, sie zu akzeptieren, damit man ein Gefühl bekommt, um mit ihnen richtig umgehen zu können.

Das ist doch eine Bestätigung für die Notwendigkeit der Arbeit in unseren Gartenbauvereinen.

 

Das nicht nur der Mensch sondern auch Tiere durch Pflanzen vergiftet können, wurde von Frau Dr.Julia Mack, Tierärztin aus Ohlstadt im anschließendem Vortrag, “ Für Tiere giftige Pflanzen“ ,erörtert.

Die Gefahr, dass sich Tiere vergiften, ist bei Hund, Katze oder Pferd in bestimmten Situationen möglich.

Von Wildtieren werden Giftpflanzen „intuitiv“ erkannt, was bei Haustieren oft weniger ausgeprägt ist, besonders bei nicht heimischen Pflanzen.

Da bei giftigen Topfpflanzen das Wasser im Untersetzter auch Giftstoffe enthalten kann, sollten dies Hunde und Katzen nicht aufnehmen.

Spieltrieb und Neugierde verleiten die Tiere oft zum Knabbern auch an giftigen Pflanzen.

Pferde erkennen auf der Weide giftige Pflanzen. Im getrockneten Zustand sind diese jedoch nicht mehr erkennbar, doch die Giftstoffe bleiben beim Trocken erhalten.

Giftige Robinien-Pfähle werden gerne aus Langeweile angenagt.Ist die Weidefläche nicht mehr ergiebig, so fressen Pferde dann auch Pflanzen, die sie sonst stehen lassen würden.

 

 

Lebensmittel, Heilpflanze, oder Giftpflanze -
„Allein die Dosis macht ein Gift“ ( Paracelsus).
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzen und Wissen sind notwendig, damit Natur und Umwelt keine Angst hervorrufen sondern Vertrautheit.

 

 

Infobroschüren über Giftpflanzen können über Download bezogen werden:

  • Deutsche gesetzliche Unfallversicherung www.dguv.de „ Giftpflanzen Beschauen, nicht kauen!“
  • Salzburger Bildungswerk www.salzburgerbildungswerk.at „Giftpflanzen Ein Begleiter für Eltern und Interessierte“

 

 

Was ist im Notfall zu tun:

  1. Ruhe bewahren !
  2. Klären um welche Pflanze es sich handelt, welche Teile gegessen , oder nur gekaut und wieder ausgespuckt wurden
  3. Vergiftungszentrale anrufen! München: 089/ 19240
  4. Zur Identifikation der Pflanze, ein möglichst vollständiges Exemplar bereithalten.
  5. Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überwachen.

 

 

Nach der Abschlussdiskussion, der Möglichkeit sich am Büchertisch des Landesverbandes zu Informieren verabschiedete Rudolf Kratzer, der auch durch das Seminar führte, die Anwesenden 22 Teilnehmer aus ganz Oberbayern.

Magdalena Kühn

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