Wildbienen, Hummeln, Wespen, Hornissen und Co.

Eine muntere Runde von engagierten Mitgliedern und Vorsitzenden aus den oberbayerischen  Gartenbauvereinen widmete sich an einem sehr warmen Sonntag im Ökologischen Bildungszentrum den Fragen über das Wohl und Wehe von Wildbienen, Bienen, Wespen, Hummeln und anderen Insektenarten und wie wir diese mit Pflanzenarten und Nisthilfen unterstützen können.
Das Seminar befasste sich zudem nicht nur mit den Honigbienen sondern vor allem mit den Wildbienen und anderen wichtigen Bestäubern. Selbst Wespen sind unverzichtbar im Naturkreislauf, auch wenn sie - allerdings nur zwei Arten, nämlich
Die Deutsche und die Gemeine Wespe – Anteil an unserem Zwetschgendatschi haben wollen. Alle anderen Wespenarten halten sich fern.

Keine andere Tiergruppe hat auch nur annähernd die Artenanzahl, Dichte und Biomasse wie Insekten.
Als Vergleich:
Wirbeltiere                     ca.         50.000
aber Insektenarten        ca.    1.500.000
Insekten bilden die ökologische Schlüsselgruppe die eine entscheidende Bedeutung für Struktur und Funktion fast aller terrestrischen Ökosysteme hat.

Im Ökosystem leben und ernähren sich Vögel von Insekten.
Ohne Insekten keine Vögel.
Es kommt immer auf die Wechselwirkungen in der Natur an. Die Artenvielfalt ist dabei der entscheidende Faktor.
Je größer die Artenvielfalt, umso stabiler sind Flora und Fauna, desto weniger Krankheiten oder „Schädlinge“.
Ohne Artenvielfalt keine Evolution!

Wildbienen, Bienen und alle andere Insekten sind als Bestäuber unersetzbar, da etwa 85% unserer Nahrung auf sie angewiesen sind.

In Deutschland gibt es 561 Wildbienenarten; davon sind 39 bereits ausgestorben bzw. verschollen. Um sie zu erhalten benötigen Wildbienen und Hummeln in erster Linie pollen- und nektarführende Pflanzen, vor allem Wildkräuter.
Von den 429 nestbauenden Bienenarten Deutschlands sind 137 (ca. 32%) oligolektisch, d.h. sie ernähren sich von einer einzigen Blumenart, z.B. nur von Glockenblumen. Um diese große Anzahl von spezialisierten Wildbienen zu erhalten, sollten in unseren Gärten entsprechende Pflanzen angebaut werden.
(Dr. P. Westrich, www.eucera.de)

Nistplätze
Alle Bienenarten sind in der Wahl ihrer Nistplätze mehr oder weniger hochspezialisiert
Bienennester in der Erde, morschem Holz,  Pflanzenstängeln, Schneckenhäusern, alten Gallen, sonstigen Hohlräumen, an Steinen und Felsen, Stängeln oder Baumstämmen
Die meisten Bienenarten nur eine Generation im Jahr und überdauern den Winter (und den größten Teil des restlichen Jahres) als Vorpuppe (Ruhelarve)
Deshalb sollten die Gärten im Herbst nicht „abgeräumt“ werden, sondern Verblühtes, egal ob Bohnenstängel, Gemüse, Brennessel, Blütenstände von Rosen, Sonnenblumen, Pfingstrosen u.a. unbedingt im Garten verbleiben soll, da dies auch Lebensräume für Wildbienen und Schmetterlinge (Eier und Puppen) sind.

Nisthilfen für Wildbienen

Untauglich sind Holz von Nadelbäumen, Stirnholz, Baumscheiben, Lochziegel, falsche Bohrungen, Acrylglasröhrchen oder Glasröhrchen sind als Nisthilfen nicht zu empfehlen, da sie luftundurchlässig sind und das sich bildende Kondenswasser den Nahrungsvorrat in den Brutzellen leicht verpilzen läßt.
Gasbetonsteine (Ytong) fetter Lehm oder Ton, der nach dem Trocknen viel zu hart wird und deshalb den grabenden Wildbienen nichts nützt.
völlig unsinnig sind leere Schneckenhäuser, Kiefern-, Fichtenzapfen o.ä. in einem Wildbienenhaus.

Tauglich sind Stängel, abgestorbene Pflanzenteile: nicht abschneiden!!!
Die meisten Stängelbewohner haben nur eine Generation im Jahr. Somit schlüpft die Nachkommenschaft erst zehn bis zwölf Monate nach der Bebauung und solange müssen diese Nisthilfen unverändert möglichst an Ort und Stelle belassen werden.
Pflanzenarten für Wildbienen

Entscheidend für die Bedeutung einer Nahrungspflanze ist, ob ihre Blüten den für die Brutversorgung erforderlichen Pollen liefern. Nektarquellen sind vielfach austauschbar, Pollenquellen jedoch nicht, vor allem nicht bei den Pollenspezialisten, den sogenannten oligolektischen Arten, die von einer einzigen Blumenart und dessen Pollen leben können.

Kleine Bienenkunde

- Die Besonderheiten der Honigbiene und ihre Lebensweise
Besonderheit der Apis mellifera:   BLÜTENSTETIGKEIT
                                                     bis zu 85% aller Blüten (Obst/Gemüse)
                                                     Volk überwintert, startet früh im Jahr bei
                                                     Temperaturen ab 12° C, Hummel bei ca. 6° C
Königin legt im Sommer täglich bis zu 2.000 Eier

Entwicklungszeit:

Königin 15 Tage Ei 3 Tage, Larve - offene Zelle 5 Tage, Made/Puppe   7 Tage
Arbeiterin 21 Tage Ei 3 Tage, Larve 6 Tage, Made/Puppe 12 Tage
Drohnen 24 Tage Ei 3 Tage, Larve 6 Tage, Made/Puppe 15 Tage

-  Flugweite eines Volkes rd. 100 km²
-  Die meisten Bienen suchen Futterquellen ca. 1 km um den Stock
-   aber auch bis zu 10 – 14 km auf der Suche
-  Futterquellen (Trachtpflanzen) werden mitgeteilt (Schwänzeltanz)
-  ¼ aller Bienen sammelt Pollen und Nektar
-  Biene benötigt 1 Stunde für 700 – 800 Blüten
-  Aus 3 kg Nektar wird 1 kg Honig
-  Für 1 kg Klee-Honig müssen 6 Millionen Kleeblüten besucht werden, das sind
   4.000 Sammelflüge einer Biene. Bei Rotklee sind es 20 Millionen Blüte

Probleme: Landwirtschaftliche Flächen haben überwiegend nur Monokulturen, wenig Artenvielfalt, wenig Wildkräuter, häufiges Mähen, kein ganzjähriges Angebot. Nach der Obstblüte gibt es kaum noch Blühpflanzen.

Alle Pflanzen und Insekten sind nach dem Ausbringen von Pestiziden, Herbiziden etc. schwer geschädigt. (es gibt kein bienenfreundliches Spritzmittel!)
Aber auch in den Städten gibt es immer weniger Blütenpflanzen,  Klimawandel – früher Blühbeginn und gleichzeitige Blüte, Hybridsorten, zu wenig offene Blüten setzen Wild- und Honigbienen, Hummeln und Schmetterlingen gleichermaßen zu.

Landwirtschaft/Photovoltaik/Biogasanlagen/Mähen vor der Blüte/zu häufiges Mähen verhindert die Bestäubung von Blüten und damit die Evolution.

Honigbienen im eigenen Garten – Geht das ?
Was, wie, wann und wo lernt man Bienenhaltung und Imkerei?

-  Jede/r darf im eigenen Garten Bienen  halten (außer es wäre eine unzumutbare Störung)
-  Jede/r sollte viele Blüh-Pflanzen und Wildpflanzen im eigenen Garten haben
-  Erlernen kann jede/r das Imkern bei den Imkervereinen (in jeder Region gibt es Bienenvereine)
-  Anmeldung frühzeitig Ende des Jahres um einen Platz im Neuen Jahr zu erhalten
-  Jungimkerausbildung dauert zwei Jahre
-  Zeitaufwand von Anfang März bis Ende September durchgängig, wöchentliche Pflege
-  Platz für Ausrüstung muss vorhanden sein (Bienenkästen, Rähmchen etc.)
-  Kosten für Erstausrüstung pro Volk ca. 150 €, Schleier, Smoker etc. ca. 130 €
-  Kosten für Imkerausbildung bei Vereinen ca. 150 €;
-  Kurse finden allwöchentlich statt (meistens Wochenende) und Fort- und Weiterbildungen
 
Es gibt verschiedene Imkerverbände:

VBB – Verband der bayerischen Bienenzüchter e.V.
LBI  -   Landesverband Bayerischer Imker e.V.
dib   -   Deutscher Imkerbund e.V.

Imkerei in Bayern – StMELF (Staatsministerium für Entwicklung, Landwirtschaft, Forsten)

Netzwerk blühende Landschaft

Der Bienenfreundliche Garten – So gelingt ́s

-  Pflanzen und Pflege
-  Integration von Wildpflanzen, Wildblumenwiese
-  Spezielle Bienenpflanzen im Garten

Bienen besuchen nur Blüten wenn sie in großer Anzahl vorhanden sind, also wenn sie als sog.Trachtpflanzen viel Nektar und Pollen bieten (z.B. Raps)
Einzelne Blüten sind für 50.000 Bienen eines einzigen Volkes uninteressant.

-  Frühtracht wie Winterlinge, Krokusse und alle Frühjahrsblüher
-  Obstgehölze Bäume und Sträucher
-  Spätblühende Himbeeren
-  Wildfruchthecken (Kornelkirsche, Berberitze, Weißdorn …) Liguster
-  Lippenblütler wie Salbei, Thymian, Lavendel, Minzearten
-  Schmetterlingsblütler (Bohnen, Erbsen, Klee, Echter Steinklee etc.
-  Wildblumen wie Flocken-, Glockenblume, alle Kleearten,
-  Kulturpflanzen Fenchel, Dill, Kürbis, Malven,
-  Ungefüllte Frühjahrs-, Sommer -und Herbstblumen (Astern), Helenium Arten,
-  Gründüngung kann ganzjährig erfolgen (Phacelia, Senf, Buchweizen, etc.
-  Spättracht  alle Erikaarten (keine Knospenheide!!)
-  Mischkulturen Gemüse und Blumen wie Calendula, Kamille, Kapuzinerkresse etc.
-  Kultur- und Wildpflanzen ergänzen sich

Harald Lorenz hat in seinem Vortrag „Bienen für die Gärten und Gärten für die Bienen“ auf die Notwendigkeit der Artenvielfalt und eines ständigen Pollen- und Nektarangebots hingewiesen. Er stellte mit schönen Bildern das Ganzjahresangebot für Bienen dar.

Praxistipps für die Vermittlung des Themas für die Zielgruppe

- Kindergarten
- Schule
- Erwachsenenbildung

Gartenbauvereine können u.a.

-  Besuche bei Lehrbienenständen für Kindergarten und Schulklassen
-  Aussaat und Wildflächenanbau für Wildbienen
-  Kindergärten und Schulgärten für Wildbienenprojekte (Saatgut)
-  Gemüse, Beeren und Obstgehölze in KiGas und Schulen (Ernten und Verwerten)
-  Balkon - und Pflanzkästen mit Wildbienensaatgut - Beobachten der Besuche
-  Nisthilfen aus Stängeln bauen

Schulen:
-  Lehrbienenpfade (Pflanzen und Gehölze) anlegen
-  Bienengruppen bilden und betreuen
-  Wildblumenwiesen anlegen
-  Streuobstwiesen anlegen
-  Hecken pflanzen (Untere Naturschutzbehörden)
-  Sensenkurse anbieten für die Mahd
-  Öffentlichkeitsarbeit

Erwachsenenbildung:
-  Ökologisches Gärtnern
-  Kurse,Vorträge, Seminare über die Bedeutung v.Wildpfl.
-  wie werden Gemeinden, Kirchen ökologischer?
   Beratungen und Angebote
-  Artenvielfalt als Dauerthema mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Insektenarten/Pflanzenarten....)
-  Dachbegrünungen in Gemeinden (Carports etc.)
-  Gemeinsame Aktionen mit Organisationen und BürgerI.

Kooperation mit verschiedenen Vereinen:

- Bund Naturschutz
- Landesbund für Vogelschutz
- Agenda 21-Gruppen
- Bürgerinitiativen
- Ökologischen Vereine wie Anbauverbände (Naturland, Bioland, Demeter, Biokreis Ost, ökologische Gärtnereien etc.
- BBV Ökolandbau des Bayerischen Bauernverbandes
- Umweltamt in Städten/Gemeinden
- Imkervereine

(Dr. P. Westrich, www.eucera.de)

Es war ein sehr gelungener Fortbildungstag der von Thomas Janschek mit größter Sorgfalt perfekt vorbereitet und für unser leibliches Wohl sorgte.

 

Ulrike Windsperger
Referentin

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