Der kleine Naturapotheker

Rege Nachfrage erfuhr wieder der BV-Lehrgang „Der kleine Naturapotheker“. Zum dritten Mal bot der BV dieses Seminar an. Gekommen waren Jugendleiter und in der Jugendarbeit Aktive aus ganz Oberbayern, die sich rund um das Thema Kräuter und deren Verarbeitung informieren und mehr über die Heilkraft der Natur erfahren wollten.

Evi Gampl, Landschaftsgärtnerin mit eigener Gärtnerei in Bad Aibling, freute sich sehr, erneut so vielen JugendleiterInnen ihr Wissen und ihre Erfahrung rund um Wildkräuter nahebringen zu können.
Die Gärtnerei besteht aus einem Team von 8 Mitarbeitern, betreibt viel Gartenpflege in Privatgärten, arbeitet ökologisch und insbesondere mit EM, hat eine große Auswahl an Heilpflanzen sowie Baum- und Sträucherraritäten im Sortiment und als Besonderheit beliefert die Gärtnerei Gastronomen, die sich auf die Zubereitung von Wildkräutergerichten spezialisiert haben.

Die Gestaltung des Kräutergartens bei der Landesgartenschau in Rosenheim war für Evi der Auslöser, sich intensiver mit Kräutern und insbesondere mit Wildkräutern zu beschäftigen. Seither ist sie davon überzeugt, dass die Pflanzen, die man für sein Wohlbefinden bzw. Gesundheit an Leib und Seele braucht, zu einem in den Garten kommen. Als allgemeinen Tipp gab die Kräutergärtnerin aus eigener Erfahrung den Ratschlag mit auf den Weg, wenn man ein Kräuterbeet neu anlegen möchte, solle man es erst vorbereiten und über den Winter ruhen lassen, bevor man es bepflanzt.

Die Geschichte der Heilkräuter ist nach Evis Ansicht so alt wie die Geschichte der Menschheit, auch wenn einiges in Vergessenheit zu geraten droht. Früher folgten die Menschen eher ihrem Instinkt und ordneten die Pflanzen beispielsweise nach Farbe, Geruch und Form den Erkrankungen zu. Heutzutage gewinne man den Eindruck, dieser Instinkt würde zunehmend verschüttet und müsse wieder frei gelegt werden. Auch ein Unterschied zur früheren Zeit bestehe laut Evi darin, dass viele Krankheiten früher kaum oder gar nicht existierten, da die Menschen die Kräuter viel mehr im täglichen Speiseplan integriert hatten und daher bereits vorbeugend bestens versorgt waren.

Der Vorteil bei der Nutzung der Wildkräuter bestehe nach Evis Ansicht vor allem auch darin, dass zu jeder Jahreszeit das wächst, was man für `s Wohlbefinden benötige. Zudem wäre es für die Natur und auch den Menschen viel zuträglicher, wenn man ungewollte Beikräuter nicht mit Gift bekämpft, das sich viel zu oft auch auf andere Pflanzen und Tiere auswirkt, sondern man solle doch lieber die leckeren Wildkräuter essen und so ganz natürlich ihren allzu weiträumigen Wuchs eindämmen.

Evi Gampl lud alle Teilnehmer ein, barfuß ihre Gärtnerei zu erkunden. Der unmittelbare Kontakt der Füße zur Erde erdet nach ihrer Überzeugung den ganzen Menschen. So profitiere der ganze Körper von einem wohltuenden Spaziergang auf eigenen Sohlen. Die Gärtnerin selber geht täglich zumindest einige Minuten auch noch bei Temperaturen bis -5° barfuß und schwört darauf, dass man dabei all seinen Ärger los wird und den Kopf frei bekommt.
Im Laufe des Spaziergangs wurden einige Kräuter „gefunden“ und zu allen konnte Evi aus eigenen Erfahrungen berichten, wie diese Pflanzen ihr bzw. Familienmitgliedern und Freunden bereits geholfen haben oder welche kulinarischen Speisen sich daraus zubereiten lassen.

Bezieht man Wildkräuter aus der Gärtnerei oder auf Märkten erscheinen sie relativ teuer, aber da die Ernte und Pflege im Grunde nur mit Handarbeit bewerkstelligt werden kann, sind diese Pflanzen sehr arbeitsintensiv. So beschreibt Evi ihre Gärtnerei auch als einen Ort mit viel Arbeit und dennoch will sie es gar nicht anders haben, denn für sie ist es das Paradies.

Abschließend gab Evi den wichtigen Hinweis, dass man wirklich nur das sammeln soll, was man gut kennt. Es gibt einige Pflanzen, die man verwechseln könne, aber wenn man sich eingehend mit den Kräutern und ihren Unterscheidungsmerkmalen beschäftigt, könne man von einem erholsamen Spaziergang mit einem reichen Schatz zurückkehren. „Was regional wächst, tut gut.“ Natürlich solle auch nur die Menge gesammelt werden, welche man auch wirklich verbraucht und geschützte Pflanzen darf man sich in der freien Natur ansehen, aber nicht sammeln.

Der Vormittag verging wie im Fluge und so mussten die hochmotivierten TeilnehmerInnen  nach vielen neuen und schönen Eindrücken Abschied nehmen von der Gärtnerei, jedoch nicht ohne ein Abschiedsgeschenk. Evi hatte für jeden ein leeres Kistchen und einen Handwagen voller Kräuter vorbereitet, so dass sich nun jeder seinen ganz persönlichen Kräuterschatz mit nach Hause nehmen konnte.

Im Cafè Konditorei Rott war für die Teilnehmer ein Wildkräutermenü vorbereitet. An dem doch recht warmen Tag wurde die herzliche Begrüßung von Johannes Rott mit einer Kräuterschorle als sehr erfrischend empfunden. Als kulinarischen Einstieg gab es eine gekühlte Gazpacho aus Kräutern und Buttermilch. Als Hauptgang folgte ein kunterbuntes Kräutermenü, das für alle Geschmacksrichtungen etwas zu bieten hatte. Es gab Maultaschen gefüllt mit Wildkräutern und Gemüse, sowie Frühkartoffel mit Lachs und Kräuterdipp.

Der Nachmittag war der Verarbeitung einiger Kräuter gewidmet. Das Ehepaar Fleischmann, Inhaber der Kurapotheke Bad Aibling, begrüßte die „kleinen Naturapotheker“ ganz herzlich. Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen eingeteilt. Im Gruppenwechsel wurden Salben gerührt und Tinkturen gemischt. Zum Abschied bekam jeder ein Handbuch über Wirkung von Heilpflanzen und deren Verarbeitung…. Ausführlicher Bericht folgt noch.

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