Kartoffelpflanzen

von Susanne Loidl OGV Götting

 

Ein Stück Rasen sollte zum ersten Mal bepflanzt werden und wir entschieden uns für Kartoffeln, da diese für jüngere Kinder bei geringem Pflegeaufwand eine sichere Ernte versprechen und Kartoffeln für die Pflanzung im folgenden Jahr den Boden lockern. Wir verwendeten eine sehr frühe Sorte, damit die Kartoffeln noch vor den Sommerferien geerntet werden konnten.

Der Rasen wurde bereits drei Wochen vor der Pflanzaktion umgegraben, die Rasensoden möglichst klein zerstochen und Unkraut abgesammelt. Bevor die Kinder Saatreihen aushoben, grub der Gruppenleiter die Erde nochmal mit der Grabgabel um und reicherte die Erde dabei mit 40 Liter reifen Kompost an.
Ca. 10 Tage vor der Pflanzaktion die Saatkartoffeln hell aber nicht zu warm in einer Kiste oder Karton zum Vortreiben auslegen. Auf offenen Eierschachteln liegen die Kartoffeln schön luftig. 

Insgesamt waren beim Pflanzen 19 Kinder zwischen 5 und 7 Jahren dabei, wobei immer nur 3-5 Kinder gleichzeitig auf dem „Acker“ waren, die anderen spielten in der Zeit. Bei mehr Betreuern könnte in der Zeit z.B. Kartoffeldruck gemacht werden.

Materialliste:

  • Pflanzkartoffeln, sehr frühe Sorte z.B. Christa oder Valetta, es sollte mind. je Kind eine Kartoffel da sein, ein Sack mit 2,5 kg (waren knapp 30 Kartoffeln)
  • Stoffbeutel mit Henkeln
  • Zug- oder Sackwaage
  • Papier und Stifte
  • Grabgabel
  • 5 Metall-Kinderschaufeln mit langem Griff, Plastik würde zu leicht brechen

 

Stück Rasen in sonniger Lage, etwa 1,5 auf 2 Meter.

Der Gruppenleiter leitete die Kinder beim Pflanzen im Acker an, ein Betreuer beaufsichtigte die restlichen Kinder beim freien Spielen.

Die Pflanzung sollte je nach Witterung April bis Mai stattfinden und der Boden sollte nicht direkt nass aber auch nicht zu trocken sein. Die Ernte erfolgt je nach Sorte Sommer bis Herbst, wobei man die oberirdischen Pflanzen beobachten sollte, sind diese welk/abgestorben, dann kann man ca. 3 Wochen danach mit der Ernte beginnen.  

Das Pflanzen in den einzelnen Kleingruppen dauerte insgesamt 1 Stunde.

Durchführung:
Eine Wanne mit Wasser und ein großes Handtuch bereitlegen.

Die Kartoffeln steckten zu Beginn alle in einem Stoffbeutel und die Kinder sollten hineingreifen, tasten und erraten, was sie fühlen. Die Kinder durften mit der Waage wiegen, wie schwer die gesamten Saatkartoffeln waren, und das Ergebnis sowie die Schätzungen, wie hoch die Ernte ausfallen wird, wurde aufgeschrieben.

Dann stellten sich die ersten 4 Kinder an einer Seite des Ackers in einer Reihe auf, gruben eine Saatrinne, ca. 20 cm tief, und legten jeweils eine Saatkartoffel möglichst mit den Trieben nach oben in gleichmäßigem Abstand in die Rinne. Dann wurde wieder gemeinsam zugeschüttet und leicht festgetreten. Ggf. kann man bei jeder gepflanzten Kartoffel eine Markierung mit einem Stock oder einer Latte machen, evtl. sogar mit dem Namen des Kindes beschriften.

Dann kam die nächste Gruppe dran. Es ist darauf zu achten, dass die Kinder ausreichend Abstand zu den bereits gepflanzten Kartoffeln lassen oder diese nicht gar wieder ausgraben.

Während dem Pflanzen kann man die Kinder nach ihren Lieblingsspeisen aus Kartoffeln fragen; ob sie wissen, was es mit den „Augen“ auf sich hat und ob Kartoffeln wirklich sehen können; ob jede Kartoffel gleich schmeckt; was die Kinder glauben, wo die Kartoffeln wachsen werden (an einem Busch, auf einem Baum oder doch in der Erde?) und ob sie wissen, dass die Kartoffelpflanze giftig ist.

Am Ende die Schaufeln im Gras abstreifen und Händewaschen nicht vergessen.

Außer dem Namen der Kartoffel kann man noch das Gewicht und die Anzahl der gepflanzten Kartoffeln, das Datum und die Schätzung der Ernte aufschreiben. Wenn man anhäufelt, kann man auch hier das Datum und die bis dahin erreichte Höhe der Pflanze aufschreiben. Auf der Rückseite kann jedes Kind „seine“ Pflanzkartoffel malen (Papier durch ein gezeichnetes Gitter oder Falten einteilen, damit jeder gleich viel Platz zum Malen hat). Blatt laminieren und mit einem Stock auf dem Acker feststecken.

Kosten
Ein Netz Saatkartoffeln mit 2,5kg kostete rund 4,50€

Zusätzliches Angebot

Kartoffeldruck
Möglichst große Kartoffeln mit einem scharfen Messer halbieren, dann frei Hand oder mit Hilfe von Metall-Ausstechformen (Plätzerlformen) Muster ausschneiden, den austretenden Saft mit Küchenkrepp abtupfen, Schnittfläche mit Wassermalfarben anmalen und auf Papier drucken (man kann auch mit Stoffmalfarben z.B. auf T-Shirts drucken, gut trocknen lassen, danach muss die Farbe meist durch Bügeln fixiert werden, dann aber den Eltern vorab einen Hinweis wegen der Kleidung für diese Aktion geben).

Kartoffelbrotzeit
Während dem Pflanzen bereits geschälte Kartoffeln kochen und nach getaner Arbeit mit einem Dipp aus Quark, Sauerrahm o.ä. und Schnittlauch, Kresse etc. anbieten. Ausreichend Teller (und evtl. Gabeln und Salz) bereithalten.

Anhäufeln
Um den Ernteertrag zu erhöhen, kann man die Kartoffelpflanze, sobald sie etwa 20cm hoch gewachsen ist, erneut rings rum mit Erde bedecken, so dass nur noch die oberen Blätter frei liegen. Dabei ist darauf zu achten, dass man die Pflanze nicht abknickt oder verletzt. Diesen Vorgang kann man auch nochmal wiederholen.

Ernte
Kinder vorsichtig umgraben lassen oder ein Erwachsener lockert die Erde mit einer Grabgabel und die Kinder sammeln die Kartoffeln ein. Dazu stellt man am besten Erntekörbe bereit. Kartoffeln grob von der Erde reinigen, aber nicht zu sehr bearbeiten, damit die Schale nicht verletzt wird. Gesamte Ernte wiegen und zählen und mit den Saatkartoffeln vergleichen.
Wenn möglich direkt ein Erntefest mit Lagerfeuer und Folienkartoffeln veranstalten. Oder Kartoffeln klein schneiden und Suppe über dem Lagerfeuer kochen oder Kartoffelbrot backen.
Übrige Kartoffeln je Kind aufteilen, am gerechtesten geht das nach Gewicht.
Einige der kleineren Kartoffeln können auch als Saatkartoffeln für das nächste Jahr kühl, dunkel und nicht allzu trocken aufbewahrt werden.

Im nächsten Jahr ist damit zu rechnen, dass die eine oder andere im Boden übersehene Kartoffel neu austreibt.

Alternative Anbaumethoden

Heukartoffeln
Es soll möglich sein, Kartoffeln auf umgegrabene Erde oder sogar kurzgemähten Rasen zu legen, dick (mind. 30 cm, da das Material zusammensackt) mit Heu und/oder Stroh abzudecken und die Kartoffeln unter diesen Bedingungen wachsen zu lassen. Es ist darauf zu achten, dass die Kartoffeln gut abgedeckt sind, denn unter Sonneneinstrahlung „ergrünen“ die Kartoffeln und bilden vermehrt Alkaloide, wonach man sie nicht mehr für den Verzehr verwenden sollte.
Man kann immer wieder vom Rasenschnitt etwas um die Pflanzen herum verteilen. Wenn man das Schnittgut antrocknen lässt, darf die Schicht ein wenig dicker sein, ist es noch feucht, sollte man nicht zu viel auf einmal auftragen, damit sich kein Schimmel bilden kann.
Zum Zeitpunkt der Ernte sei die abdeckende Schicht wie ein Teppich, den man abziehen könne und darunter lägen die neuen Kartoffeln. Durch das starke Wurzelwerk haben die Kartoffeln den darunter befindlichen Boden gelockert.

Kartoffelkiste
Die Kartoffeln werden in Gefäße gepflanzt, wobei es Holzsteigen (mit z.B. Jute die Seiten auskleiden, damit die Erde nicht herausfällt), Autoreifen (mit Folie auskleiden wegen der Inhaltsstoffe im Reifengummi), Eimer (nach unten ausschneiden wegen Wasserabzug) oder andere Behälter sein können. Die Kartoffeln werden mit Erde eingepflanzt, sollten Kontakt zum Mutterboden haben und zum späteren Anhäufeln wird ein weiteres Gefäß über das erste gestellt und wieder vorsichtig mit Erde aufgefüllt. Das kann man in mehreren Ebenen machen, wobei man den Turm stabilisieren muss, je höher er wird.
Während die Kartoffeln im Mutterboden nicht gegossen werden müssen, trocknet bei dieser Anbaumethode die Erde leichter aus und muss nach Bedarf gegossen werden.
Die Ernte ist ungleich leichter als beim konventionellen Anbau. Man nimmt die Gefäße ab, die Erde zerfällt und die Kartoffeln lassen sich ziemlich leicht einsammeln.
Kinder sind von den Kartoffeltürmen beeindruckt und man kann je nach Material bunt gestalten.

In Gefäßen lässt sich später eindeutiger nach Sorten ernten. Mit Kindern verschiedene Kartoffeln anbauen und die Unterschiede in Form, Größe, Farbe (es gibt auch Knollen mit blauem Fruchtfleisch) und Geschmack erleben.