Aktionen für ein Jahresprogramm

Die Streuobstpädagogin Tina Hermanns zeigte nun beispielhaft an ihrem Jahresprogramm auf, welche Aktionen in welchem Monat mit einer Kinder- und Jugendgruppe durchgeführt werden können.

November bis Februar:     

Einführung, erste Wiesenbegehung

November bis März:

Baumpflanzung

Dezember bis Februar:

Spurensuche im Schnee

Februar bis Mitte März:

Nistkästen für Vögel, Fledermäuse, Hornissen bauen und aufhängen, Sitzstangen für Greife  bauen, Baumschnitt, Reisigbüschel binden

März bis April:

Nisthilfen für Ohrwürmer und Wildbienen

April bis Mai:

Honigbienen/Imkerei besuchen

Ende April bis Mitte Mai:

Wildkräuterwanderung, Backhaus Pizza backen

Mitte Mai bis Anfang Juni:

Wiesenblumenwanderung

Mitte Juni bis Mitte Juli:

Heuernte (3 Tagesprojekt bei stabiler Wetterlage)

Juli bis September:

Insekten und andere Kleintiere beobachten

September bis Mitte Oktober:

Apfelernte

Oktober:

Saft pressen, Besuch in der Mosterei, Vergärung

Oktober bis November:

Obst dörren, im Backhaus backen

November bis Januar:

Apfelverkostung

November bis März:

Tiere im Winter

 

Beim ersten Treffen bzw. zur Einführung ins Thema Streuobstwiese empfahl Tina Hermanns, die Kinder den Begriff Streuobstwiese in seine drei Bestandteile zerlegen zu lassen und gemeinsam zu überlegen, was das alles bedeuten könnte.

Streu (auf alten Streuobstwiesen stehen die Bäume wie „verstreut“)

Obst (welche Arten und Sorten gibt es, Verwertung und Weiterverarbeitung von Obst, Baum als Schattenspender und Verschönerung der Landschaft)

Wiese (früher Anbau von Feldfrüchten und Getreide, mittlerweile Wiesen welche idealerweise nur 2-3x im Jahr gemäht werden, daher große Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren)

Wenn Kindern die Wertschätzung gegenüber Obst als gesundes und leckeres Lebensmittel vermittelt wird, wird Obst auch gerne gegessen und landet nicht im Müll.

Die Aktionen in Stichpunkten:

Erste Wiesenbegehung
Wiese malen, dazu ggf. die Wiese und Bäume vorher vermessen.  
Rindenbilder mit Wachsmalstiften malen.
Sorten bestimmen.
Tiere (Spuren) finden und bestimmen.
Nistkästen finden.

Baumpflanzung
Termin ist etwas wetterabhängig.
Bei Sortenwahl auch an alte Sorten denken.
Pickel zum Auflockern der Erde verwenden, dann können Kinder selber schaufeln.
Geduld bis zur ersten Ernte ist nötig, aber dann kommt bei entsprechender Pflege ein langfristiger Ernte-Erfolg.

Spurensuche im Schnee
Vor der Spurensuche den Kindern winteraktive Tiere und deren Spuren auf Bildern zeigen.
Wiese am Waldrand für Spurensuche am erfolgversprechendsten.

Nistkästen für Fledermäuse und Vögel
Das Holz sollte sägerau sein und vor allem innen nicht gestrichen werden.
Mit Fledermausdetektoren abends auf Fledermaussuche zu gehen, finden Kinder ganz spannend. Es gibt Bausätze zum Selberbauen, die deutlich günstiger sind, als fertige Detektoren.

Reisigbüschel binden
Beim Baumschneiden, ggf. mit den Eltern, können die dünneren Äste und Zweige von den Kindern zu Büscheln gebunden werden.
Einen z.B. Hocker umdrehen und die Zweige zwischen die Hockerbeine stecken, auf gleiche Länge abschneiden und mit einer Schnur (kein Kunststoff) fest zusammenbinden.
Die Büschel dienen nach dem Trocknen als Anfeuerholz. -> Brotbacken

Nisthilfen für Ohrwürmer und Wildbienen
Bereits im Herbst Material sammeln und ggf. trocknen.
Idealerweise im Garten nicht alles im Herbst zurückschneiden sondern als natürliche Winterquartiere für die Tiere etwas stehen lassen.
Tontöpfe für Ohrwürmer mit Stroh oder Holzwolle füllen und in Bäumen aufhängen (Tontopf sollte Baum berühren) oder auf einen Stock stecken.

Honigbienen
Bienenlehrpfad besuchen, z. B. in Kleinhöhenrain
Imkerei besuchen oder Imker zur Gruppenstunde auf der Streuobstwiese einladen.
Obstbaumblüte begutachten und Bestäubung erklären.

Wildkräuterwanderung
Wer selber keine guten Kräuterkenntnisse hat, kann z.B. einen KräuterpädagogIn zur Wanderung mit einladen.
Die gesammelten Kräuter können im Anschluss zu einem Dip, Brot oder Pizza verarbeitet werden. (Beim Brotbacken Reisigbüschel zum Anfeuern verwenden)

Wiesenblumenwanderung / Insekten und andere Kleintiere beobachten
Eine Wiese suchen, die selten / spät gemäht wird und daher einen entsprechenden Artenreichtum bietet, z.B. Flussufer
Bestimmungsbücher für Tiere und Pflanzen mitnehmen.
Erst können Blumen samt Blättern und Stängeln gesammelt werden. Dann findet die gemeinsame Auswertung mithilfe von Bestimmungsbüchern im Schatten auf einer Picknickdecke statt. Die Kinder nehmen die Blumen zum Pressen mit nach Hause. Abschließend werden Insekten gefangen und ebenfalls bestimmt. Die Insekten werden nach der Bestimmung natürlich gleich wieder frei gelassen.
Zum Insektenfangen kann mit den Kindern ein Insektenkescher selbst gebaut werden.

Heuernte
3-Tages-Projekt bei guter Wetterlage.
Schonendes Mähen: Sense, Motorsense (Balkenmäher nicht so ideal, aber besser als Mähwerk); das Mähen sollte streifenweise erfolgen und nicht die ganze Wiese auf einmal gemäht werden.
Hohes zeitliches Engagement ist notwendig, da an drei Folgetagen morgens, mittags und abends jeweils mind. 15 Min. Arbeitseinsatz notwendig ist, um aus dem Gras trockenes Heu zu erhalten.
Das Heu kann von den Kindern für eigene Haustiere genutzt oder ggf. verkauft werden.
Getränke und ein Schattenplatz sollten für Pausen vorhanden sein.
Spielzeiten beim Heumachen mit einplanen!

Obsternte
Schütteln und Pflücken von Obst.
Gemeinsames Auflesen vom Boden.
Waschstrasse mit mind. einem wassergefüllten Eimer (Handtuch bereithalten, Kinderhände abschließend trocknen und wieder aufwärmen)

Zum Saftpressen geht es dann mit einer Obstmühle weiter. Jedes Kind darf z.B. zwei saubere Äpfel reinwerfen (Ausnahmsweise nicht legen! Aufsicht abstellen, dass keine Finger in die Mühle gelangen!).
Die Apfelmaische wird in die Presse gefüllt und auch beim Pressen kommt jedes Kind dran.
Die Verkostung des frischen Apfelsaftes findet gemeinsam statt. Zuerst wird der Saft nach Optik und Geruch untersucht, dann ein kleiner Schluck in den Mund genommen und die Geschmackseindrücke beschrieben. Erst dann kommt der große Schluck, um den Durst von der spannenden und teils anstrengenden Arbeit zu löschen.

Bei einer Apfelverkostung kann den Kindern bewusst gemacht werden, dass es viele verschiedene Äpfel gibt und nicht alle gleich schmecken.

Das Obst kann auch gedörrt werden. Dazu fädelt man die Obstscheiben auf Schnüre, Wäscheständer oder Stecken auf und lässt sie möglichst über einer Heizung trocknen. Schimmliges wird gleich aussortiert. Je nach Wärme können die Obstchips nach drei Tagen gekostet werden. Für Naschkatzen können die Trockenfrüchte noch in Schokolade getaucht werden. Ein gemeinsam zubereitetes und natürlich auch zusammen verkostetes Müsli kann ein schöner Abschluss für ein Streuobstwiesen-Jahr sein.