Zauberhafte Düfte - Kleine Räucherkunde für Märchenstunden

Das Räuchergut wird auf der Kohle verteilt und kann seinen Duft entfalten
Das Räuchergut wird auf der Kohle verteilt und kann seinen Duft entfalten

Märchen leben nicht nur vom Erzählen alleine, sondern auch von der Atmosphäre, in der man sie erlebt bzw. die der Erzähler erschafft. So bieten sich Düfte geradezu an, dass man sie begleitend zur Sinneswahrnehmung oder als Ritual einsetzt. Erika Stäuble, in Heilpflanzenkunde an der Sebastian Kneipp Akademie ausgebildete Referentin, führte in die Grundlagen des Räucherns ein.

Um den herrlichen Tag zu begrüßen und alle Teilnehmerinnen auf das Thema Räuchern einzustimmen bzw. zur inneren Ruhe zu gelangen, stimmte die Kräuterexpertin ein schamanisches Lied an. Bald konnten alle in die entspannende Melodie von „Morning sun“ einstimmen und die Ruhe in der natürlichen Umgebung bewusst auf sich wirken lassen.

Das Räuchern ist bereits ein sehr alter, traditioneller Brauch, der zum Heilen, Segnen, Reinigen und zum Schaffen eines geistigen Raumes genutzt werden kann. Der Duft, die Heilkraft und der Geist der Pflanzen kann durch das Räuchern gelöst werden.

In früheren Zeiten war es vor allem im ländlichen Raum üblich, zu besonderen Anlässen und Ereignissen  im Jahreskreis zu räuchern, wie etwa zur Sonn`wend, Lichtmess, Raunächte, Frühlings-/Herbst-Tagundnachtgleiche, Walpurgisnacht und auch zu den familiären Festen wie Geburt bzw. Wochenbett, Hochzeit, aber auch bei Tod und schweren Krankheiten, wie beispielsweise der Pest.

Bereits beim Sammeln kann man nach Angaben von Erika Stäuble die Wirkung der Pflanzen positiv beeinflussen, indem man mit den Pflanzen spricht. Zum einen sollte man die Pflanzen respektvoll um ihre Heilkraft bitten und je intensiver man sich während der Ernte auf die gewünschte Wirkung konzentriert, desto besser kann die spätere Wirkung sein. Manche Leute haben sich angewöhnt, eine geradezu rituelle Bitte bzw. einen Dank bei der Ernte der Pflanzen zu sprechen. Natürlich sollte beim Pflanzensammeln kein Raubbau betrieben werden. Von einer Pflanze darf nur so viel genommen werden, dass sie nicht geschädigt wird, es sollte insgesamt nicht mehr geerntet werden, als man auch wirklich benötigt und geschützte Pflanzen sind tabu.

Als die medizinische Versorgung noch nicht so weit fortgeschritten war, waren die Leute unmittelbar auf die Kräuterkenntnisse angewiesen und auch das Räuchern hatte damals einen hohen Stellenwert. Zwischenzeitlich geriet dieses Wissen beinahe in Vergessenheit, jedoch gelangt derzeit die Kräuterheilkunde sowie das Räuchern wieder mehr ins Bewusstsein. Immer mehr versuchen, sich wieder mit der Natur in Einklang zu bringen und überliefertes Wissen neu zu entdecken.

In manchen Kulturkreisen wurde das Räuchern auch noch für Weissagungen (Orakel) genutzt oder um Götter günstig zu stimmen, beispielsweise sollte das Wetter für eine gute Ernte beeinflusst werden.

In unserer Region gab es den Brauch vom Neunerlei Notfeuer. Dabei wurden von der ganzen Dorfgemeinschaft neun verschiedene Holzarten gesucht, gemeinsam verbrannt und jeder Haushalt hat sich einen brennenden Ast mit nach Hause genommen und dort die zuvor sauber ausgeräumte Herdstelle neu entzündet. Über die Glut und den Rauch dieses Feuers mussten kranke Tiere dreimal hinweg laufen, um wieder gesund zu werden. Zu Zeiten der Pest versuchten auch die Menschen, sich auf diese Weise vor der tödlichen Krankheit zu schützen.

Räuchern ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Nicht jedem behagt das gleiche Kraut bzw. der gleiche Duft. Eine bestimmte geräucherte Pflanze wirkt sich auch nicht bei jedem gleich aus. Daher empfiehlt Erika Stäuble, das Räuchern mit einzelnen Pflanzen zu beginnen und nicht gleich mit Räuchermischungen. Bei der Auswahl sollte man sich ruhig auf sein inneres Gefühl verlassen und nehmen, was einen anspricht. Kinder wählen meist nach Duft und Farbe, was einem sehr guten, intuitiven Vorgehen entspricht. Vorm Räuchern von Giftpflanzen warnt die Kräuterexpertin eindringlich, denn auch die Giftstoffe können sich lösen und ungeahnte Folgen haben.

Wenn sich eine Krankheit ankündigt, kann das Räuchern den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Schlechte Energien werden aufgelöst und der Pflanzengeist kann seine Kraft schenken und den Menschen positiv unterstützen. Das Räuchern an sich wirkt beruhigend und entspannend.

Beim Räucherwerk sollte man auf gute Qualität achten. Einige Räucherkegel und -stäbchen enthalten Zusatzstoffe, was Kopfschmerzen und Unwohlsein auslösen kann. Es ist darauf zu achten, dass das Räucherwerk ein reines Pflanzen- bzw. Kräuterprodukt ist. Wer gerne sein eigenes Räucherwerk herstellen möchte, kann folgendes Grundrezept verwenden und sich seine eigene Räuchermischung zusammenstellen:

Rezept für Räucherkegel

  • 1 Teil Gummi Arabicum (in Apotheken erhältlich)
  • 2 Teile Wasser
  • getrocknete Kräuter, fein gemörsert

 

  • Gummi Arabicum im Wasser auflösen.
  • Kräuter hinzufügen und gründlich durchkneten.
  • Aus der Masse Kegel oder abgeflachten Kugeln formen.
  • Trocknen lassen und dann luftdicht und dunkel aufbewahren.

Zum Entzünden des Räucherwerks ist eine Räucherschale sehr hilfreich. Sie sollte auf Grund der sich entwickelnden Hitze dickwandig sein und einen guten Stand haben. Üblicherweise befüllt man die Schale zu zwei Drittel mit Sand, das kann Quarz- oder Spielsand sein oder auch einfach etwas Sand vom letzten Urlaub. Der Sand dient zum Ableiten der Hitze. Darauf wird mittig ein Kohlestück platziert und entzündet. Speziell zum Räuchern gibt es Räucherkohle.

Auf der durchgeglühten, mit einer weißen Ascheschicht überzogenen Kohle können nun getrocknete Pflanzenteile (z.B. gerebelt oder zermörsert) oder Räucherwerk mittig platziert werden. Zum gezielten Verteilen des Rauches werden traditionell Federn verwendet. Alternativ können auch Fächer oder ein Stück Papier benutzt werden. Bei den Federn kann gemäß der Räucherexpertin der Zweck der Räucherung noch durch die Wahl einer entsprechenden Feder verstärkt werden.

Nordvögel: Eule, Kauz
Weisheit, Klarheit, Lernen

Ostvögel: Adler, Falke, Bussard, Kondor
Intuition, Spiritualität, Gebet

Südvögel: Gänse, Truthahn, Schwan
Sich für die Liebe öffnen und sie verströmen, sich verschenken

Verspieltheit – Leichtigkeit
Weiße Feder zum Reinigen, für Kinder, bringt Frieden

Westvögel: Eichelhäher, Raben, Krähen, Geier
Wandlung, Transformation, Ahnen

Mit Kindern sind große weiße Federn, beispielsweise von einem Schwan, eine gute Wahl, da sie Leichtigkeit und Frohsinn vermitteln.

Sofern man nicht selber auf einem Spaziergang eine geeignete, große Feder findet, kann ein Besuch in einer Falknerei hilfreich sein, um eine schöne Feder zu erhalten. Federn können über einen langen Zeitraum zum Räuchern genutzt werden, sofern man sie pfleglich behandelt. Um dem Befall mit Milben vorzubeugen, sollte man Federn etwa einmal im Jahr eingepackt in einer Tüte für einige Tage einfrieren.

Idealerweise sollte die Kohle etwa 15 Minuten vorm Räuchern entzündet werden. Bis dahin ist sie gut durchgebrannt und hat eine weiße Oberfläche (Ascheschicht) entwickelt. Beim Entzünden darf die Kohle auf Grund der sich schnell entwickelnden Hitze nicht mehr mit bloßen Händen angefasst werden, sondern nur noch mit einer Pinzette, Kohlenzange o.ä. Die Kohle sollte aus Sicherheitsgründen ausreichend lange in der Räucherschale belassen werden, damit sie ausglühen und abkühlen kann – Nicht unbeaufsichtigt stehen lassen! – oder mit Hilfe einer Pinzette unter Wasser gelöscht werden.

Eine andere Möglichkeit ist es, auf einem Lagerfeuer zu räuchern. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass man entweder auf mit Asche überzogenen Glutstücken räuchert oder man einen im Lagerfeuer kräftig erhitzten Stein zum Räuchern verwendet. Wirft man die Pflanzenteile direkt ins Feuer, verbrennen sie lediglich, aber es kommt nicht zum eigentlichen Räuchern.

Dann gibt es noch Räucherbuschen, die man relativ einfach selber herstellen kann. Pflanzen, die einen persönlich ansprechen, werden mit einem Baumwollfaden um einen festen Stängel oder dünnen Ast gewickelt. Dieser Buschen wird an einem trockenen Ort zum Trocknen aufgehängt. Zum Räuchern wird der Buschen an einem Ende entzündet, bis er einmal gut brennt und dann ausgeblasen. Diese Art des Räucherns eignet sich nur im Freien, da im Laufe des Räucherns Teile zu Boden fallen. Eine feuerfeste Unterlage sollte zur Hand sein.
Diese Räucherbuschen bieten sich auch gut als persönliches Geschenk an, ob im Freundeskreis, als Mitbringsel oder als Geschenk an die Mitglieder bei einer OGV-Versammlung.

Beim Räuchern in Räumen ist darauf zu achten, dass man Türen und/oder Fenster öffnet. Nur so können die gelösten schlechten Energien entweichen und es ist gewährleistet, dass der Rauch, der in zu hoher Konzentration wiederum schädlich wäre, abziehen kann.
Soll ein Haus ausgeräuchert werden, so empfiehlt Erika Stäuble folgende Vorgehensweise: Beginnend im Keller werden von einem Eck links herum im Uhrzeigersinn alle Räume und vor allem Ecken ausgeräuchert. Auf diese Weise räuchert man Etage für Etage bei zumindest gekippten Fenstern bis zum Dachboden hinauf.

Zum Räuchern können grundsätzlich alle Pflanzenteile verwendet werden, also Blätter, Blüten, Stängel, Wurzeln und ggf. Harze.

Das Räuchergut wird auf der Kohle verteilt und kann seinen Duft entfalten

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Der Rauch kann mit einer Feder gezielt verteilt werden

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Die Räucherexpertin stellt Pflanzen und ihre Symbolik vor

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Räuchern ist ein alter Brauch und Erika Stäuble konnte dazu viel Interessantes erzählen

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Räucherwerk und hilfreiche Utensilien

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