„Dem Zauber der Bäume auf der Spur“ - im Parterzeller Eibenwald

Thomas Janscheck führte nachmittags die Seminarteilnehmerinnen in den wie verzaubert wirkenden Parterzeller Eibenwald, Deutschlands (und vermutlich auch Europas) größten zusammenhängenden Eibenwald. Wobei es sich um keinen Wald ausschließlich mit Eiben handelt, denn so einen gibt es weltweit nicht, sondern um einen Wald mit sehr hohem Eibenanteil von über 2000 Einzelexemplaren, von denen die meisten mehrere Hundert Jahre alt sind. Der älteste europäische Baum ist eine Eibin (es gibt männliche und weibliche Eiben) mit stolzen 3800 Jahren.
Die Eibe ist beispielsweise als Hecke sehr schnittverträglich, da sie aus sogenannten schlafenden Augen neu austreiben kann. Die Eibe ist Luftverschmutzungen gegenüber relativ tolerant, doch einem Waldbrand hat sie nichts entgegenzusetzen, denn ätherische Öle lassen sie schnell ent- und verbrennen. Leider wurde die stärkste Eibe im Parterzeller Eibenwald vor einiger Zeit gebrandschatzt, der verkohlte Stumpf ist noch zusehen.

Doch bei all diesen bemerkenswerten Eigenschaften und Informationen darf man vor allem nicht vergessen, dass die Eibe in all ihren Bestandteilen stark giftig ist. Lediglich das Fruchtfleisch der roten Beeren ist nicht giftig, der enthaltene Samen jedoch birgt wieder die tödliche Gefahr.

Doch der Waldexperte konnte nicht nur mit Fakten aufweisen, sondern viel mehr war ihm daran gelegen, die angehenden Märchenerzählerinnen in den Zauber des Waldes einzuladen und ihnen die Augen für die Schönheit und Mystik der Bäume zu öffnen.

Die Eibe ist seit Alters her eine Abwehrpflanze und wurde immer schon gerne als Amulett mit Schutzfunktion genutzt. Weiter wusste Thomas Janscheck zu berichten, dass in früheren Zeiten vor allem die Eibe zum Bogenbau genutzt wurde, da das Holz durch seinen langsamen Wuchs stabil und dennoch biegsam ist, also ideal für die Anforderungen beim Bogenschießen. Auch „Ötzi“ wusste wohl um die Vorteile der Eibe, denn der ca. 1,70m große Vorfahre wurde mit einem etwa 2 Meter langen Eibenbogen gefunden. Aller Wahrscheinlichkeit nach nutzten auch Robin Hood und seine Mannen Eibenbögen und vermutlich sogar „made in Germany“, da zu jener Zeit die Eibenbestände in England bereits nahezu ausgerottet waren und England Eibenholz aus Deutschland bezog.

Der Gartenbauingenieur wies im Laufe des Waldspaziergangs auf verschiedene Baumarten hin, zu denen er allerhand zu berichten wusste:

Eberesche
Dieser Baum ist Heimstatt für 73 Vogelarten.
Wiegen wurden früher aus dem Holz der Eberesche gebaut, um die Zähigkeit und Kraft der Pflanze auf das Neugeborene zu übertragen.

Buche
Dieser Baum ist sinnbildlich die Mutter des Waldes. Es konnte erforscht werden, dass ältere Buchen junge Buchen über eine Verbindung der Wurzeln bei der Photosynthese unterstützen Die kleinen Jungbäume können anfangs zu wenig Sonnenenergie auffangen, um selbst  ausreichend versorgt zu sein. Erst wenn die Jungbäume knapp die Größe der „Alten“ erreicht haben, entfällt die Unterstützung, denn dann haben sie sich zu ernstzunehmenden Licht-Konkurrenten entwickelt und müssen sich nun selber im Leben behaupten.

Ahorn
Ahorn wird von manchen geradezu als Zukunftsholz bezeichnet, da der Baum gut hitzeverträglich ist.
Bergahorn lässt sich zu Klangholz verarbeitet die größte Bandbreite an Tönen entlocken.
Feldahorn diente, wenn der Wintervorrat zu Ende ging und das Gras noch zu wenig gewachsen war, für das Almvieh als Futter. Meist liegt im April in höheren Berglagen noch Schnee, so dass das wenige Gras vom Vorjahr noch nicht einmal frei liegt. An den Bäumen treiben jedoch schon die ersten Blätter aus, welche von den Almbauern geerntet und an die Rinder verfüttert wurden.

Holunder, Holler
Die Pflanze wurde früher als Strauch der Holda, der Erdmutter, bezeichnet und verehrt.
Gemeinhin ist der Holler als Hausapotheke bekannt, der nicht zurückgeschnitten werden soll, sondern dem mit Ehrfurcht zu begegnen ist.

Haselnuss
Der Strauch steht im Ruf, Wünsche erfüllen zu können, siehe auch „Drei Nüsse für Aschenbrödel“.
Wünschelruten sind meist aus Hasel gefertigt.

Der Parterzeller Eibenwald steht unter Naturschutz

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Der Waldexperte erzählt über Mythen der Bäume

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Die gebrandschatzte Eibe, ein Frevel an der Natur

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Thomas Janscheck weiß viel Interessantes über Eiben zu berichten

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Viele Bäche ziehen sich durch den Eibenwald

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