Untersuchung von Fließgewässer – so geht`s!

Stefan Marx, ebenfalls Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern, führte die Seminarteilnehmer anschließend ganz praktisch an die Nutzungsmöglichkeiten der Wasserkiste heran.

Bachgrund aufwirbeln und Zeigertiere im Kescher fangen

Bachgrund aufwirbeln und Zeigertiere im Kescher fangen

Betrachtung und Bestimmung der Zeigertiere unter Mikroskop

Betrachtung und Bestimmung der Zeigertiere unter Mikroskop

Hilfsmittel zur Bestimmung der Bachbewohner

Hilfsmittel zur Bestimmung der Bachbewohner

Zeigertiere vorsichtig für Bestimmung sammeln

Zeigertiere vorsichtig für Bestimmung sammeln

Übersicht zur Auswertung der Zeigertiere bzw der Qualität des Fließgewässers

Übersicht zur Auswertung der Zeigertiere bzw der Qualität des Fließgewässers

Einige bereits gesammelte Bachbewohner konnten unter einer Stereolupe betrachtet werden, was die Sortierung mancher dieser Kleintiere (Insektenlarven, Würmer, Muscheln u.ä.) enorm erleichtert. Stefan Marx wies auf eindeutige Unterscheidungsmerkmale hin und erklärte in diesem Zusammenhang die der Wasserkiste beigefügte Übersicht der Lebewesen und deren Handhabung. Die Bachbewohner können nämlich als Zeigertiere sehr gut über die Qualität ihres Lebensraumes Auskunft geben. Es gibt in dieser Übersicht eine Abstufungen der Lebensraumqualität eines Baches von sehr gut bis schlecht. Die Zeigertiere und die gefundene Anzahl geben einen Hinweis, in welchem Zustand sich der Lebensraum Bach befindet. Zusätzlich können zur näheren Bestimmung Wassertemperatur, ph-Wert und Nitratwert gemessen werden.

Fließgewässer sind schützenswerte Lebensräume!

Je vielfältiger ein Lebensraum ist, desto mehr Tiere und Pflanzen finden dort ein Zuhause. Ein kleiner „natürlicher“ Bach beherbergt ein Vielfaches an Lebewesen gegenüber einem riesigen „künstlichen“ Kanal, ist für die Natur also deutlich wertvoller.
Für optimale Voraussetzungen sorgen:

•    abwechslungsreiche Strukturen im Bach  (Sand, Kies, Geröll, Lehm; Schilfzonen, seichte Uferabschnitte)
•    unterschiedliche Fließgeschwindigkeit (Bach nicht geradlinig sondern mit Kurven und Buchten)
•    keine künstlichen Schwellen/Wehre, die die Fischwanderung behindern
•    Sauberkeit, also keine Müllhalde oder Einleiten von Abwasser

Der Referent Stefan Marx zeigte einen Kurzfilm zum Thema Bachuntersuchung, der sehr anschaulich die Vorgehensweise bei einer Bachuntersuchung verdeutlicht.

Im Anschluss an den Theorieteil nahm Stefan Marx die interessierten Seminarteilnehmer mit in die Natur und zeigte im Weißbach (über den Rothbach ein Zufluss in die Isar am Malerwinkel), wie er z.B. mit einer Schulklasse eine Bachuntersuchung durchführt.

Viele der gesuchten Tiere verstecken sich unter Steinen. Um diese zu entdecken kann man größere Kiesel und Steine einfach umdrehen und anhaftende Tiere vorsichtig ablösen. Eine andere Möglichkeit ist, den Bachgrund mit dem Fuß aufzuwirbeln und dabei stromabwärts einen Kescher oder ein feinmaschiges Sieb hinzuhalten, so dass die aufgewirbelten Tiere hineingespült werden.
Eine bereits zuvor mit Bachwasser gefüllte Schale / Wanne sollte im Schatten bereit stehen, so dass der „Fang“ darin ausgeleert werden kann. Nach einem kurzen Moment sind die Tiere, Sand u.ä. auf den Boden gesunken und man kann nun in Ruhe die Tiere einsammeln und ggf. in der Becherlupe (mit Wasser) oder unter einer Stereolupe (Binokular) betrachten. Zum Aufheben und Ablösen der empfindlichen Tiere ist ein Teelöffel bzw. ein Pinsel sehr hilfreich, denn die Tiere sollen die ganze Untersuchung natürlich unbeschadet überstehen. Die Tiere werden nun nach deren Bestimmung gemäß der Übersicht der Zeigertiere in die beschrifteten (sehr gut, gut etc.), mit Wasser gefüllten Becher sortiert. So verschafft man sich einen schnellen Überblick, für welchen Zustand die meisten Zeigertiere gefunden wurden und wie das Gewässer daher zu beurteilen ist.

Folgende Materialien können bei Bachuntersuchungen sehr hilfreich sein:
•    weiße Tee/Kaffeelöffel aus Plastik eignen sich sehr gut zum Aufnehmen/Anschauen der Tiere aus der Schale
•    ein „normales“ Küchensieb aus Draht (alternativ zu den stabileren Sieben der Wasserkiste)
•    ausgediente Eisschalen als Sammelschale benutzen

Natürlich werden die Tiere nach der Auswertung wieder in den Bachabschnitt zurück gebracht, aus dem sie stammen.

Stefan Marx hat sich einen Leitfaden erarbeitet, wie er bei einer Kinder- und Jugendgruppe das Interesse weckt, Vorwissen „abklopft“ und ganz einfach den Einstieg in das Thema spannend gestaltet. Der Referent stellt diesen Fragen-Leitfaden den JugendleiterInnen als Orientierungshilfe zur Verfügung:

Folgende Unterlagen wurden vom Bayerischen Landesamt für Umwelt zur Verfügung gestellt: