Das Nachmittagsprogramm des Jugendseminars war dem Thema

„Das Gras wachsen sehen – Fotoprojekte mit Kids“

gewidmet. Hierzu konnte der freiberufliche Dokumentarfilmer und Kulturpädagoge Ralf Bräutigam viele Tipps zur praktischen Herangehensweise geben, interessante Hilfsmittel zeigen und ganz konkrete Fotoprojekte vorstellen.

Ralf Bräutigam, Referent des Foto-Workshops
Ralf Bräutigam, Referent des Foto-Workshops

Gartenbauvereine wollen Kinder und Jugendliche nicht zusätzlich für Technik begeistern. Vielmehr soll die sowieso meist technikverliebte Jugend über die Fotografie wieder in die Natur gelockt werden.

Sehr viele Jugendliche verfügen über ein Smartphone mit beachtlicher Auflösung, daher ist dies eine gute Wahl der „Kameraart“ für erste Fotoerfahrungen in der Gruppenstunde. Man muss sich aber darüber im klaren sein, dass ein Smartphone auch oft sehr schnell für Ablenkung sorgt. Es kann daher sinnvoll sein, sich für das Fotoprojekt einen Platz in der Natur zu suchen, der ohne Empfang ist.

Damit der Fotografierende die Möglichkeiten seiner Kamera kennen lernt und lernt damit optimale Aufnahmen zu erzielen, sollte der Automatikmodus ausgeschaltet werden. Es gibt verschiedene Apps, die das Fotografieren ohne Automatik unterstützen, zu finden im Play Store (Android) bzw. Appstore (Apple).

Hält man das Smartphone mit einer Hand, ist die Gefahr des Verwackelns relativ groß. Abhilfe kann ein „Stativ-Pappbecher“ schaffen oder ein selbstgebauter „Kamerakäfig“. Sobald die Kamera mit zwei Händen gehalten wird, ist sie deutlich besser stabilisiert. Erfahrungsgemäß wird im Kamerakäfig nicht so viel gedaddelt, als ohne. Zudem kann bei dem Kamerakäfig eine handelsübliche Lupe mit eingeklemmt werden, was einen tollen Makroeffekt erzielt. Mit zwei Wäscheklammern verwandelt  sich der Kamerakäfig sogar in ein freistehendes Stativ.

Es gibt Adapter für Smartphones, um sie auf Stativen oder Flaschenhälsen mit Gewinde zu befestigen.

Ideen für Fotoprojekte

Makrofotografie
Ralf Bräutigam wählt in Jugendkursen zum Einstieg sehr gerne die Makrofotografie. Dinge aus der Nähe mit geringer Tiefenschärfe zu fotografieren lässt vieles interessanter, spannender und teils auch geheimnisvoller erscheinen. Wenige befassen sich im Alltag bewusst mit dem Aufbau einer Blüte oder dem Körperbau eines Insekts. In der Makroaufnahme werden einige Details überhaupt erst sichtbar und so kann sowohl die Ästhetik als auch eine oft erstaunliche Architektur in der Natur Anlass zum Staunen sein.

3D-Effekt
Fotos müssen bereits großformatig (z.B. A4) ausgedruckt zur Verfügung stehen. Günstig sind dabei Bilder, bei denen beispielsweise große Flächen mit gleichförmiger Landschaft (Himmel, Wiese) enthalten sind oder wenige Hauptdarsteller, wie Personen oder Tiere. Nun kann die eintönige Fläche mit Fundstücken aus der Natur gestaltet oder der Hauptdarsteller des Bildes noch richtig in Szene gesetzt werden, dazu eignen sich Blüten, Steine, Moos, Blätter, Zweige, Rinde ...
Wenn man mit der Gestaltung des vorhandenen Bildes zufrieden ist, wird hiervon ein Foto gemacht. Das gleiche Bild kann und soll ruhig mehrmals verschieden gestaltet und fotografiert werden. Bei einer abschließenden Besprechung ist es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Interpretationen des gleichen Ausgangsmaterials (das vorhandene Bild und Fundstücke aus der Natur) ausfallen.

Verfremden
Beim Verfremden werden aus einem vorhandenen, großformatigen Bild Teile ausgeschnitten. Das kann ein Kleidungsstück einer Person sein, ein Auto, Haus o.ä. Nun wird das Bild mit Fundstücken aus der Natur unterlegt bzw. das Bild in der Natur so platziert, dass die Person statt dem Loch z.B. eine „Blüten-Hose“ an hat oder ein Haus aus Moos gebaut zu sein scheint.

3D-Foto Mädchen Fokus auf Baumrinde

3D-Foto Mädchen Fokus auf Baumrinde

3D-Foto Mädchen Fokus auf Blüte

3D-Foto Mädchen Fokus auf Blüte

3D-Foto Skyline in Natur gebettet

3D-Foto Skyline in Natur gebettet

Foto verfremden, Mann mit Blatt-Shirt

Foto verfremden, Mann mit Blatt-Shirt

Foto verfremden, Mann mit Holzmaserung-Shirt

Foto verfremden, Mann mit Holzmaserung-Shirt

Ideen mit fertigen Fotos

Memory
Zwei identische Fotos oder zwei Fotos zum gleichen Thema (z.B. jeweils Blüte und Frucht bei verschiedenen Obst-/Gemüsesorten) können zu einem Memory verarbeitet werden.

Foto-Vereinskalender

Transfer auf Stoff oder Holz mit entsprechenden Transfermedien aus dem Bastelzubehör (Achtung: Laserausdruck)

Gruß-Karten mit Fotos individuell gestalten

Ausstellung
Ralf Bräutigam ist es sehr wichtig, vor allem in der Jugendarbeit, dass nach einer Fotoaktion eine gemeinsame Betrachtung bzw. Auswertung der Bilder erfolgt. Dabei können die Bilder in einer Abschlussrunde am Ende der Gruppenstunde besprochen werden und/oder im Idealfall eine Ausstellung an einem Folgetermin organisiert werden. Die Ausstellung kann mit Ausdrucken erfolgen oder per Beamer auf eine Leinwand oder helle Zimmerwand.
Die Ergebnisse sollen in jedem Falle gewürdigt und ihnen Raum und Zeit eingeräumt werden.

Expertentipps

Fotos sofort drucken
Es gibt handliche Drucker, mit denen man bereits während der Fotoaktion Ausdrucke im Format 10x15 cm anfertigen kann. Ralf Bräutigam hat mit dem Modell Selphy von Canon gute Erfahrungen gemacht. Die Ausdrucke kosten ihn zwar ca. 0,50€ je Foto, aber je nach Aktion ist es für ihn dennoch das Mittel der Wahl. Die Datenübertragung der Smartphones ist per WLAN recht unkompliziert, so dass sich die digitalen Fotos in kürzester Zeit vom „Knipsen“ in etwas Reales, was die Jugendlichen in Händen halten, verwandelt.

Linsen für Makroaufnahmen
Wie bereits erwähnt, können Lupen vor dem Smartphone bereits für Vergrößerungen sorgen, müssen jedoch fixiert werden, damit es zu keinem Verwackeln kommt.
Alte DVD-Player können vor dem Weg zum Bauhof ausgeschlachtet und die Linsen entnommen werden. Linsen unbrauchbarer Laserpointer können das Smartphone sogar zu einer Art Mikroskop aufrüsten.
Natürlich gibt es auch speziell für Smartphones Linsen zu kaufen, welche jedoch etwa 60€ kosten.

Bezugsquelle für Foto-Zubehör
Ralf Bräutigam hat mit dem umfassenden Sortiment von pearl.de gute Erfahrungen, ob Stativ, Linsen o.ä. da werden Fotografenwünsche wahr.

Archivieren und Datensicherung
Grundsätzlich empfiehlt der Referent eine projektbezogene Archivierung mit Angaben zu Jahr und Monat. Es gibt Bildverwaltungsprogramme, die auch eine Schlagworteingabe bzw. –suche zulassen.
Persönlich nutzt Ralf Bräutigam eine DropBox zur Datensicherung, so dass sein Bildmaterial mind. an zwei Stellen gespeichert ist.