Naschobst für den Garten

Harald Lorenz, Jugendbeauftragter des BV OBB
Harald Lorenz, Jugendbeauftragter des BV OBB

Anschließend hatte Harald Lorenz das Wort, ebenfalls Jugendbeauftragter des BV. Sein Thema des Tages war „Naschobst für den Garten“. Geschuldet an die immer kleiner werdenden Familiengärten reagieren die Züchter mit einer immer größeren Vielfalt an Spindelformen verschiedener Arten und Sorten auf die veränderte Lebenssituation der heutigen Zeit.

Ein Boskoop-Hochstamm nimmt ausgewachsen beispielsweise mit seiner Krone einen Durchmesser von etwa 8m ein. Auf dieser Fläche lassen sich 12 Spindelbäume pflanzen, wobei durch unterschiedliche Sorten Früchte mit unterschiedlichen Geschmäckern und vor allem unterschiedlichen Erntezeitpunkten gewählt werden können.

Aus Sicht von Harald Lorenz empfiehlt sich im Grunde nur der Anbau von Spindel oder Hochstamm für den Privatgarten. Ein Hochstamm benötigt viel Raum zum idealen Gedeihen. Sofern dieser nicht zur Verfügung steht, würde er für Äpfel, Birnen und Zwetschgen die Spindelform wählen, wenn auch der Schnitt für andere Arten außer Äpfel eher schwierig ist.
Sogenannte Halbstämme erreichen den gleichen Kronendurchmesser, wie sortengleiche Hochstämme. Der gravierendste Unterschied besteht darin, dass der Kronenansatz beim Halbstamm 50 cm tiefer ansetzt, als beim Hochstamm und somit das Rasenmähen deutlich erschwert. Ein Baum, der als Schattensitzplatz dient, sollte mindestens 1,70 m lichte Kronenhöhe haben. Noch ein wichtiger Punkt, den Harald Lorenz zugunsten der Spindelwuchsform vorbrachte war, dass die gefürchtete Fruchtfliege bereits im Landkreis Rosenheim und sicherlich in anderen oberbayerischen Gegenden Einzug gehalten hat. Nur Netze können vor dem Befall mit diesen Tieren zuverlässig schützen. Ein Spindelbaum kann mit einem Netz abgedeckt werden, bei einem Halb- oder Hochstamm ist dies ein schier unmögliches Unterfangen.

Soll ein neuer Obstbaum (oder Beerenstrauch) im Familiengarten gepflanzt werden, so sind folgende Aspekte zu klären, denn sie tragen unmittelbar zur Kaufentscheidung bei:

  • Vorhandener Platz für Baumkrone, auch Schattenwurf bedenken
  • Tafelobst / Lagerfähigkeit
  • Für Kinder eher kleinere Früchte, vor allem bei Äpfel und Birnen
  • Reifezeitpunkt nicht im üblichen Reisezeitraum der Familie
  • Anfälligkeit der Sorte gegenüber Krankheiten, Standortbedingungen

Die Baumschule oder Gärtnerei kann nur auf die Standortbedingungen und Wünsche des Kunden eingehen, wenn diese im Vorfeld hinreichend bekannt sind.

Zunehmend spielen Allergien und Unverträglichkeiten bei der Wahl eines neuen Obstbaumes ebenfalls eine wichtige Rolle. Es gibt Sorten, die allgemein besser vertragen werden, dies stellt jedoch keine Garantie im Einzelfall dar. Insgesamt werden ältere Sorten besser vertragen, als neue Sorten und es konnte bei verschiedenen Personen mit Unverträglichkeit beobachtet werden, dass zu Apfelmus verarbeitete Äpfel sowie länger gelagerte Äpfel weniger oder gar keine Reaktionen hervorriefen, als frische Äpfel. Doch muss jeder im Einzelfall selber testen, welche Sorte ihm am besten bekommt. Weitere Infos unter www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html

Gestaltungsideen mit Beerenobst

Bei einem Himbeertunnel werden die Himbeerruten zweireihig in parallelen Schlangenlinien angepflanzt, so dass in der Mitte die Sichtachse unterbrochen ist. Idealerweise werden die Himbeeren mit Himbeerspanngitterband angebunden, das beugt der Rutenkrankheit vor und vermeidet Drähte, die für die Kinder eine Verletzungsgefahr darstellen können.

Das Johannisbeertipi erreicht problemlos eine Höhe von 1,5m, was für Kinder völlig ausreichend ist. Die Johannisbeeren werden mit ein oder zwei Trieben als Spindel gezogen und kreisförmig im Abstand von 50-60 cm an buntbemalte Stützstäbe gepflanzt, die oben in der Mitte zusammengebunden sind. Natürlich ist eine Lücke als Ein- und Ausgang vorzusehen. Lediglich die schwarzen Sorten eignen sich weniger zur Spindelform, rote und weiße Sorten können gleichermaßen verwendet werden.

Die schwarzen, meist sehr wüchsigen Johannisbeersorten eignen sich hingegen hervorragend zum Bau eines Sträuchernestes. Dazu werden die einzelnen Sträucher kreisförmig mit einem Abstand von 80 cm gepflanzt, auch hier ist wieder an einen Ein- bzw. Ausgang zu denken. Das Sträuchernest darf ruhig 2 m Innendurchmesser haben und kann Versteck, Ruhezone, Spielplatz oder Rückzugsort für Kinder sein oder einfach ein Platz zum Naschen und Wohlfühlen.

Für eine Erdbeertonne benötigt man eine große, gereinigte Plastiktonne. An der Außenwand werden Öffnungen zum Bepflanzen ausgeschnitten. Die Tonne wird am endgültigen Standort mit Erde gefüllt, wobei Kontakt zum Mutterboden vorhanden sein sollte, überschüssiges Wasser ablaufen können sollte und auf ein hochwertiges Substrat mit guten Wasserspeichereigenschaften zu achten ist. Öfter tragende Erdbeersorten bieten sich an, damit nicht nur ein toller Hingucker entsteht, sondern die großen und kleinen Naschkatzen möglichst lange etwas zum Genießen finden.

Die vorgestellten Gestaltungsideen laden die Kinder zum Einen mit leckeren Früchten zum Naschen ein, sollen den Kindern aber auch einen Teil des Gartens als ihren Erlebnis- und Wohlfühlort eröffnen, in dem sie Spielen, Toben und die Seele baumeln lassen können.  

Weitere Infos zu Sorten, Pflanzeigenschaften etc. in den Merkblättern des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e.V.:

  • Apfelsorten für den Hausgarten und die Streuobstwiese
    Obstanbau im Hausgarten
  • Erdbeeren für den Hausgarten
  • Schnitt von Beerenobst