Hecke – was lebt und wächst denn da?

von Susanne Loidl OGV Götting

Im Lehrplan der zweiten Klasse steht u.a. das Thema Hecke auf dem Programm. Daher hatte ich die entsprechende Klassenlehrerin samt Klasse zu mir in den Garten eingeladen. Zwei Nachbarn hatten deren Gärten bzw. Hecken ebenfalls zur Betrachtung zur Verfügung gestellt und so konnten die Kinder drei völlig unterschiedliche Hecken kennenlernen und dabei einiges entdecken.

Ich hatte mich im Vorfeld auf verschiedenen Internetseiten eingelesen und dann nach bestem Wissen und Gewissen (aber ohne Gewähr!) den Klassenausflug vorbereitet bzw. die Infos für diesen Bericht zusammengefasst.

Hecke Materialien
Hecke Materialien

Materialliste:

Die blauen Materialien hatte ich selber, die grünen Materialien stammen aus dem Waldkoffer, der im Rahmen der Jugendarbeit beim BV entliehen werden kann.

  • Tiere aus Plastik bzw. Stoff, ich hatte eine Spinne, Eidechse, Fledermaus, Schlange (die steht bei mir für Kreuzotter und Ringelnatter bzw. Blindschleiche), Eichhörnchen, Schaffell, Rabe und Eisbär
  • Bildkarten (Bäume, Tiere, Pilze, Laub ….) und entsprechend viele Wäscheklammern
  • Becher- und Handlupen, Insektensauger
  • Augenbinden für Spiele
  • Helles Tuch zur Insektenbestimmung
  • Schneckenhäuser und Muscheln
  • Bücher zur Bestimmung von Tieren und Pflanzen
  • Kinderspaten
  • Ggf. Seil zur Markierung der Heckenabschnitte
  • Trillerpfeife
Hecke Tier zum Verstecken
Hecke Tier zum Verstecken

Vorbereitung:

Im April ist die Wiese vormittags noch relativ feucht. Damit wir ausreichend trockene Sitzplätze hatten, legten wir drei Baumstämme in U-Form. Das war nicht nur für die Brotzeit ideal, sondern auch beim Besprechen konnten sich alle hinsetzen und hatten eine gute Sicht.
Da größere Brennholzstapel in der Nähe waren, wurde das Klettern auf Baumstämmen generell untersagt.

In der „schönsten“ Hecke, also mit der größten Artenvielfalt was Pflanzen und Tiere angeht, versteckte ich die Spielzeugtiere in einer Höhe von 30cm bis 150cm auf einer Länge von ca. 10m in den Zweigen der Hecke. Am Ende dieser Strecke steckte ich den Spaten in den Boden, um das Ende des präparierten Heckenabschnitts zu markieren.

In einem weiteren Abschnitt der Hecke hängte ich entsprechend der Anzahl der Schüler Bildkarten mit Hilfe von Wäscheklammern auf. Das Ende dieses Abschnittes hatte ich mit einem Seil markiert.

Hecke Bildkarten zum Aufhängen
Hecke Bildkarten zum Aufhängen

Durchführung:

Nach der Begrüßung der Kinder stellten diese ihre Rucksäcke (Brotzeit) gleich zu den Sitz-Baumstämmen. Dann machten wir uns auf zur ersten Hecke.

Es handelt sich um eine reine Thujenhecke

Hecke Thujenhecke
Hecke Thujenhecke

der Boden ist mit Rindenmulch abgedeckt. Erst fragte ich die Kinder allgemein, welche Tiere in Hecken leben, denn darüber wurde bereits im Unterricht gesprochen. Dann überlegten wir gemeinsam, welche dieser Tiere in einer Thujenhecke von ca. 1,20m Höhe leben könnten.
Ich fragte die Kinder auch, welchen Eindruck sie von der Hecke haben, wenn sie diese betrachten. Schnell kamen Wörter wie „langweilig“ und „öde“ als Antwort. Daher überlegten wir, warum die Gartenbesitzer trotzdem eine solche Hecke gepflanzt haben. Als mögliche Gründe fanden wir: Wind-, Sicht-, und Lärmschutz das ganze Jahr, kein Laubfall im Herbst (immergrün).

Die zweite Hecke stellt ebenfalls die Einfassung eines Familiengartens dar und besteht aus verschiedenen Sträuchern und Bäumen. Auf einem gekennzeichneten Abschnitt von ca. 5 Metern sollten alle Kinder zählen, wie Bäume und Sträucher sich dort befinden. Dann wurden die Kinder aufgerufen sich zu melden, wenn die richtige Zahl gesagt wird, beginnend bei 1. Nur ein Kind hat die richtige Zahl 8 gezählt (oder geraten), die meisten hatten sich bei 5 gemeldet. Die Schwierigkeit beim Zählen bestand darin, dass einige Sträucher/Bäume ohne Blüten nebeneinander stehen und die Kinder hauptsächlich auf unterschiedliche Blüten-Farben achteten, aber nicht so sehr auf verschiedene Formen bzw. die Abstufung der einzelnen Grüntöne.

Hecke zum Erraten und Erkennen der Heckenpflanzen
Hecke zum Erraten und Erkennen der Heckenpflanzen

Ich hatte den Kindern nun jede einzelne Pflanze gezeigt, den Namen genannt und auf Besonderheiten hingewiesen, wie z.B. giftig (Thuja, Eibe, Buchs und Forsythie), Obstgehölz (Apfelbaum, Zierquitte – Bedeutung der Biene für die Bestäubung/Befruchtung), Ziergehölz (Zierquitte, Forsythie, BuchsàAdventskranz) und Futterpflanze für Insekten (Apfelbaum, Zierquitte).
Gemeinsam überlegten wir, obwohl dieser Abschnitt der Hecke viel kürzer ist, ob darin mehr oder weniger Tiere leben, als in der vorher gesehenen Thujenhecke, woran das liegen könnte usw.

Nach der Brotzeit wurde den Kindern frei gestellt, ob sie in der Pause Fußballspielen, mit der Lehrkraft Pferde auf dem Sandplatz besuchen oder die Natur mit Becherlupen erforschen wollen. Es gab doch einige Kinder, die sich gleich eine Becherlupe schnappten und sich auf die Suche nach Kleintieren machten. Wir fanden Spinnen, Ameisen, Regenwürmer, eine Biene und verschiedene Blüten. Zu der Zeit flogen noch kaum Bienen, da es morgens noch recht kühl war, Hummeln waren hingegen bereits einige unterwegs, da diese auch schon bei niedrigeren Temperaturen auf Futtersuche gehen. Bei der eingefangenen Biene kamen dann auch einige der Fußballspieler, um einen Blick darauf zu werfen. Einige Kinder waren erstaunt, dass Bienen gar nicht richtig gelb-schwarz sind, sondern dass es sich schon eher um einen Braun- als um einen strahlenden Gelbton handelt.

Nun ging es zu „der“ Hecke. Diese Hecke fasst keinen Privatgarten ein, sondern sie wurde als Windschutz für einen Obstgarten gepflanzt. Zudem markiert sie eine Grundstücksgrenze zu einer landwirtschaftlich genutzten Wiese und gliedert deutlich die Landschaft. Die Hecke hat eine Tiefe von ca. 6 Metern, besteht aus Bäumen (Birke, Ahorn, Erle) und Sträuchern (Haselnuss, Brombeere, Heckenrose, Holler) und ist deutlich höher als die beiden vorher betrachteten Hecken.

Hecke Windfang und Grundstücksgrenze
Hecke Windfang und Grundstücksgrenze

An dieser Hecke konnten die verschiedenen Schichten gezeigt werden, aus denen große Hecken bestehen:

  • Bodenschicht mit Moosen, Farnen und Pilzen
  • Krautschicht mit Kräutern, Gräsern und niedrigem Gestrüpp
  • Strauchschicht mit holzartigem Bewuchs unter 5m
  • Baumschicht mit Bäumen über 5m

Die Begriffe und Erklärungen hatte die Lehrerin aus ihren Schulunterlagen beigesteuert. Wichtig war hiernach auch, dass Pflanzen und Tiere eine Lebensgemeinschaft bilden.

Die Kinder sollten an dieser Stelle überlegen, ob bei allen drei Hecken all diese Schichten vorhanden sind. Und ob sich das Fehlen bzw. Vorhandensein einer Schicht auf die Tiere, die in der jeweiligen Hecke leben und Nahrung finden können, auswirkt.

Am Boden hatte ich zwei Schneckenhäuser (Weinbergschnecke und Bänderschnecke) sowie zwei Muscheln ausgelegt, welche die Kinder gleich entdeckten und auch auf Anhieb richtig den Schnecken bzw. Muscheln zuordnen konnten.

Hecke Schnecke und Muscheln
Hecke Schnecke und Muscheln

Die Kinder bekamen nun den Auftrag, an der Hecke entlang bis zur Markierung (Kinderspaten) zu gehen und herauszufinden, welche Spielzeug-Tiere in der Hecke versteckt sind, aber noch nicht über ihre Funde zu sprechen. Fast alle Kinder entdeckten alle 8 Tiere, die Namen waren allgemein bekannt und wir besprachen, welches Tier in einer solch großen Hecke leben könnte (Spinne, Kreuzotter / Ringelnatter / Blindschleiche, Eichhörnchen, Eidechse), in bzw. bei einer Hecke Futter findet (Fledermaus, Rabe), wer bestimmt nie in der Nähe einer Hecke zu sehen sein wird (Eisbär) und dass das Schaf eigentlich auch kein Tier der Hecke aber zumindest bei uns heimisch ist. Auf die Blindschleiche gingen wir noch näher ein, dass sie keine Schlange sondern mit der Eidechse verwandt ist, auch wenn sie keine Beine hat.

Hecke Eichhörnchen

Hecke Eichhörnchen

Hecke Eidechse

Hecke Eidechse

Hecke Eisbär

Hecke Eisbär

Hecke Schaffell

Hecke Schaffell

Hecke Spinne

Hecke Spinne

Nun folgte wieder die Überlegung, in welcher der drei gesehenen Hecken der größte Artenreichtum an Tiere herrscht. Die Kinder waren sich einig, dass es die letzte Hecke ist und erkannten auch den Grund:

Je vielfältiger die Pflanzen sind,
um so mehr Tiere finden Futter und Unterschlupf.

Im nächsten Abschnitt der Hecke waren die Bildkarten mit Wäscheklammern aufgehängt. Jedes Kind sollte eine Bildkarte mit der Wäscheklammer holen und die Wäscheklammer gleich abgeben. Da die Kinder mittlerweile etwas unruhig wurden, gingen wir zurück zu unserem Brotzeitplatz, machten eine Trinkpause und besprachen erst dann die Bildkarten. Jedes Kind zeigte der Klasse seine Bildkarte, nannte die Pflanze bzw. das Tier darauf und beschrieb es mit einem Satz, z.B. „Hier ist eine Birke zu sehen, es ist ein Laubbaum mit weißer Rinde.“, „Auf meinem Bild ist ein Fuchs zu sehen, er frisst gerne Mäuse.“, „Hier seht ihr einen Kleinen Fuchs, das ist ein Schmetterling.“. Auf den meisten Bildkarten standen auf der Rückseite der Name und eine kurze Erklärung, was für die Kinder eine große Hilfe war. Mit unterstützendem Nachfragen konnte jedoch jedes Kind zu seinem Bild eine Aussage treffen. 

Hecke Bildkarten mit Wäscheklammern aufgehängt
Hecke Bildkarten mit Wäscheklammern aufgehängt

Da die meisten Bildkarten aus dem Waldkoffer stammen, hatte ich vorher schon aussortiert, welche Tiere und Pflanzen auch einen Bezug zur Hecke haben und nur diese verwendet. Bei den Tieren hatte ich unterschieden, wer u.a. in der Hecke lebt (z.B. Igel, Eichhörnchen, Neuntöter, Eichelhäher, Kleiner Fuchs, Meisen, Baummarder) oder wer zur Futtersuche in die Hecke kommt (Fuchs, Hase, Dachs). Wobei  es sehr stark von der Größe und Ausprägung der Hecke abhängt, welche Tiere in der Hecke leben oder Nahrung finden können.
Sehr große Hecken werden von einigen Tieren als „Straße“ von einem Waldstück zum nächsten genutzt, sogenannte Korridore, wobei diese Tiere (z.B. Luchs, Wolf) nicht in unserer Umgebung leben und es sich wohl schon um richtig große Hecken handeln muss, die bereits selbst geradezu einen Waldcharakter haben. Solche Hecken sind mir in der näheren Umgebung nicht bekannt.
Wäre noch mehr Zeit geblieben, hätten wir bei jedem Tier klären können, in welcher Schicht der Hecke dieses lebt, wobei das mitunter nicht eindeutig zu sagen ist, da manche Tiere in der einen Schicht ihren Unterschlupf haben aber in der anderen Schicht auf Nahrungssuche gehen.

…und wenn noch mehr Zeit gewesen wäre:

  • Unter einem längeren, überhängenden Ast ein helles Tuch ausbreiten und dann den Ast kräftig schütteln. Gemeinsam versuchen, die Tiere zu bestimmen. Dabei kann man zuerst die Anzahl der Beine bestimmen, um unbekannte Tiere leichter einordnen zu können. Dann folgt der Vergleich mit entsprechenden Büchern. Auch wenn man nicht jedes Tier einwandfrei bestimmen kann, kann man zumindest immer feststellen, ob es sich um ein Insekt handelt und ob es fliegen kann. Findet man nicht den richtigen Namen, kann man in Fantasienamen schwelgen, wie „kriechender Ritter in schwarzer Rüstung“.
  • Etwas Erde zwischen den Heckenpflanzen ausgraben (daher auch der Kinderspaten), auf dem weißen Tuch ausbreiten und auf Tiere untersuchen.
  • Im Slalom vorsichtig im Entenmarsch durch die Hecke laufen und nach „neuen“ Pflanzen Ausschau halten.
  • Den Kindern Blätter zeigen und sie müssen die passende Pflanze finden.
  • Eine Pflanze im derzeitigen Zustand beschreiben und die Kinder müssen sie finden:
    • Laubbaum, raue Rinde, gehört zur Baumschicht, hat einen dicken Stamm, weiße Rinde …. Birke
    • Gehört zur Strauchschicht, hat schon viele Blätter dran, glatte Rinde, hat keinen einzelnen Stamm sondern viele dicke Äste …. Haselnuss
    • Gehört zur Strauchschicht, hat keinen Stamm, hat Dornen, man stolpert leicht über die am Boden liegenden Zweige/Ranken… Brombeere
    • Kinder paarweise einteilen, jeweils einer bekommt die Augen verbunden, der andere führt. Der Blinde soll zu einem Baum geführt werden, den er nun ausgiebig betastet, bis er sich sicher ist, den Baum wiedererkennen zu können. Nun wird der Blinde vom Baum weggeführt und von seiner Augenbinde befreit. Er soll nun den Baum wiederfinden, den er vorher blind betastet hatte.
      Den Führer vorab darauf hinweisen, dass er für seinen Blinden verantwortlich ist und sich entsprechend verantwortungsvoll um ihn kümmern muss.
    • Es hätte noch ein Ausmalbild zur Hecke gegeben, in dem die Tiere erst mal gefunden und in den richtigen Farben ausgemalt werden sollten.
    • Zum Thema Nahrungskette hatte ich ein Bild, auf dem einige der Heckentiere aufgezeichnet waren und es hätte mit Pfeilen die Nahrungskette ergänzt werden sollen. Wobei es keine lineare Kette sondern vielmehr eine Vernetzung gewesen wäre, denn beispielsweise das tote Laub wird sowohl von Regenwürmern, Asseln, Schnecken als auch Pilzen gefressen bzw. zersetzt und der Igel ernährt sich sowohl von Schnecken, Regenwürmern als auch Pilzen.
    • Dann gab es noch ein Arbeitsblatt mit einigen gängigen Heckenpflanzen und -tieren, die außen herum mit kleinen Bildern dargestellt waren und in der Mitte standen die Namen. Die Kinder sollten die Namen mit den richtigen Bildern verbinden.
    • Bei einem anderen Arbeitsblatt waren Tiere in den entsprechenden Schichten abgebildet und die Kinder sollten die richtigen Namen in kleine Textfelder eintragen.
    • Wie weit entfernen sich die Tiere von der Hecke, wenn sie sich auf Nahrungssuche begeben? Das ist noch eine Art Ratespiel. Laut einer Info im Internet legen beispielsweise Igel eine Strecke von 250m zurück,  die fliegende Goldammer dagegen „nur“ 150m, die Spitzmaus traut sich wiederum 200m aus der schützenden Hecke heraus.

Kosten:
Der Ausflug hatte keinerlei Unkosten verursacht, denn die Materialien hatte ich teilweise selber und den Rest konnte ich dem Waldkoffer entnehmen, der kostenlos ausgeliehen werden kann, siehe Ausleihbedingungen des BV.