Goldmedaille im 23. Wettbewerb 2008-2010 "Unser Dorf hat Zukunft –
Unser Dorf soll schöner werden“ für Niederaudorf im Landkreis Rosenheim

Berlin, Berlin, wir fuhren nach Berlin

Am Freitag den 28. Januar fand die Preisverleihung für den Wettbewerb „Unser Dorf…“ auf Bundesebene im Rahmen der grünen Woche in Berlin statt. Rund 150 Niederaudorfer Bürger sowie der Rosenheimer Landrat Herr Josef Neiderhell mit seinen Gemeindebürgermeistern sowie der zuständige Kreisfachberater Harald Lorenz, der Niederaudorf während der einzelnen Wettbewerbsrunden maßgeblich fachlich begleitet hatte, und der 1. Bezirksvorsitzende von Oberbayern für Gartenbau und Landespflege waren angereist, um die Goldmedaillenübergabe von Frau Bundesministerin Ilse Aigner an den Oberaudorfer Bürgermeister Hubert Wildgruber zu feiern. Diese Veranstaltung war für die Menschen der teilnehmenden Gemeinden quasi der Schlussakkord und der Lohn drei Jahre intensiver Arbeit. Der Stolz aus über 3000 teilnehmenden Gemeinden in der 23. Runde unter die Top 30 zu kommen, war allen Preisträgern deutlich anzusehen.

Niederaudorf mit seinen 1333 Einwohnern ist ein Ortsteil der Gemeinde Oberaudorf und liegt im Süden von Oberbayern im Inntal, direkt an der Grenze zum Nachbarland Tirol. Eingebettet in die grandiose Kulisse der Hausberge Wildbarren und Brünnstein ist der Ort geprägt vom Fremdenverkehr und einer bis in die Hochtäler reichenden Bergbauern- und Almenwirtschaft.

Am Anfang der Wettbewerbsrunde stand der eher unbestimmte Wunsch die Dorfsituation insgesamt aufzuwerten. Erst durch die gemeinsamen Bemühungen der Arbeitskreise die Wurzeln der Gemeinde zu erforschen und darauf aufbauend eine Inventur zu machen, was gut ist im Dorf und was weniger gefällt, konnten gemeinsame Ziele formuliert werden, die dann folgerichtig Stück für Stück umgesetzt wurden.

Dabei hat die Gemeinde es verstanden, ohne die Segnungen jedweder Förderprogramme alle Projekte aus eigener Kraft zu schultern. Der Funke der Begeisterung der beiden Bürgermeister und der Arbeitskreise sprang über auf Jeden, der helfen und zupacken wollte. Die Entscheidung Einzelner, sich selbstlos in die Gemeinschaft einzubringen und die engagierte Mithilfe der Vereine, hat Kräfte in einem Ausmaß ausgelöst, die nicht absehbar waren.

Unterstützt wurde dieser Prozess durch die Eigendynamik, die dem Wettbewerb „Unser Dorf..“ innewohnt. Wer erst einmal den Goldgeschmack auf Bezirksebene geleckt hat, möchte es wissen. Eine Gemeinde, die plötzlich aus der Uniformität herausragt, weil sich der öffentliche Fokus auf sie richtet, wächst weit über sich hinaus. Plötzlich dürfen Dinge angedacht und Projekte angepackt werden, von denen vorher öffentlich niemand zu träumen wagte. Das Dorf mit seinen Menschen in dieser Aufbruchstimmung gut zu führen und möglichst viele Menschen sinnvoll einzubinden und dabei atmosphärisch im besten Sinne menschlich zu bleiben, ist dann vornehmstes Ziel der Ortsvorstände. Unsere Bürgermeister haben diese Aufgabe mit großem Weitblick souverän gemeistert. So konnten in Niederaudorf über hundert Bäume neu gepflanzt werden. Nach der Abnahme der Landeskommission sind in allein Vorbereitung auf die Bundeskommission folgende Aktionen umgesetzt, bzw. auf den Weg gebracht worden:

1.    Erstellung und Ausgabe eines Heimatmalbuches für Kinder- Mit der Kuh "Muh" durch Niederaudorf.
2.    Vier Baumpflanzaktionen mit Baumpaten aus Politik, Kirche und Wirtschaft fanden statt.
3.    Start des Pilotprojektes "Biotopverbund Audorfer Berge". Bauern, Naturschützer, Touris- musverband, Landratsamt und Regierung planen einvernehmlich am runden Tisch.
4.    Ein "Goldweg" mit Infotafeln wurde beschlossen und umgesetzt
5.    Ein Flyer "Niederaudorf -Urlaub mit Auszeichnung" wurde erstellt.
6.    Es fand ein monatlicher Jour Fixe zum Informationsaustausch der 5 Arbeitskreise statt.
7.    Ein eigener Internetauftrittes www.niederaudorf.com wurde eingerichtet.
8.    Es erschienen regelmäßige Presseartikel über die Wettbewerbsaktivitäten.
9.    Die Broschüre "Niederaudorf- das liebenswerte Dorf" wurde zum dritten Mal überarbeitet.
10.    Es wurde ein Obstbaumschnittkurs für interessierte Bürger durchgeführt.
11.    Es wurde ein Ziersträucherschnittkurs für Bauhofmitarbeiter gehalten.
12.    Die Planung für die Gestaltung des Dorfplatzes am Brunnen wurde umgesetzt.
13.    Es wurde eine Planung zur Vermarktung von eigenem Käse im Dorf erstellt.
14.    Der "Naturspielplatz am Auerbach", ein Folgeprojekt des Wettbewerbs, wurde initiiert.

Aber Niederaudorf war nicht nur fleißig im Hinblick auf Verbesserungen. Die Dorfbewohner haben es verstanden, sich, ihre Kultur und ihre Landschaft authentisch zu präsentieren. Alle Kommissionen haben das bayrische Flair schätzen und die bayrische Gemütlichkeit lieben gelernt. Die Gemeinde hat in vielerlei Hinsicht gewonnen. Das Bundesgold ist quasi nur Krönung eines langen Prozesses.

Was aus meiner Sicht das Dorf sicher in die Zukunft führen wird, ist der gesteigerte Sinn für das Gemeinwohl, der Zusammenhalt im selbstverständlich gelebten Brauchtum, das gemeinsame Wissen um die hohe Wohnqualität, der aktive Schutz der sensiblen Bergwelt und die Anstrengungen, der Jugend gesicherte Arbeitsplätze zu bieten.

 

Harald Lorenz, Kreisfachberater
08.02.2011