Bäumchen rüttle Dich – wirf Gold und Silber über mich

Daniela Tax, Märchenerzählerin und –pädagogin
Daniela Tax, Märchenerzählerin und –pädagogin

Daniela Tax, Märchenerzählerin und –pädagogin (www.erzaehlkarawane-ammersee.de) sagte über sich selber, dass sie sich lieber als Geschichtenerzählerin vorstellt, da es nicht nur Märchen zu erzählen gibt, sondern auch andere Formen der Geschichten, wie Parabeln, Mythen, Witze, Sagen und Fabeln. Beim Geschichtenerzählen sollte man immer auf eine gewisse Atmosphäre achten, beispielsweise eignet sich der Sitzkreis, so dass Augenkontakt möglich ist,  unter dem Publikum sollte Ruhe eingekehrt sein, Kerzen verbreiten ein warmes Licht.

Geschichtenerzählen bedeutet sich zu trauen, frei zu sprechen. Je kürzer eine Geschichte ist, desto genauer muss man sie kennen und wiedergeben. Bei einer längeren Geschichte ist die Wiedergabe des genauen Anfangs und Endes besonders wichtig. Im Mittelteil kann man freier sprechen, also ggf. Details weglassen oder selber ausschmücken. Daniela nannte es den „Freischwimmer“, der den Mut aufbringt, sich vom Beckenrand zu lösen und selber mit eigenen Worten seine Schwimmzüge macht.

Aber nicht nur ein gewisser Mut gehöre zum Geschichtenerzählen, man solle bei der Auswahl der Geschichte darauf achten, dass man selber die Geschichte mag. Das eigene Repertoire umfasst unweigerlich die Geschichten, die einem selbst erzählt wurden. Jeder habe so seinen Lieblingserzähler, ob Mama oder Oma, Schauspieler auf Hörbuch-CDs oder Lehrkraft beim Lesetage in der Schule. Manch einer bevorzugt Geschichten mit oder ohne Dialekt, aber in jedem Fall regen Geschichten die Fantasie an, man nimmt sich Zeit und kommt zur Ruhe und sie lehren auch. Das Erzählen verfeinert die Sprache, Erzähler/innen sind ein Vorbild für die Kinder, sie schauen einem "quasi auf den Mund".   Schulisches Wissen, über Pflanzen, Tiere Städte und Länder erfährt man in einer Geschichte ganz nebenbei.Geschichten haben grundsätzlich einen belehrenden und einen unterhaltenden Charakter,  das Belehrende entspricht dem Lehrer, das Unterhaltende dem Schauspieler. 

Bereits den Kindern kann man einen wertvollen Schatz mit auf den Weg geben, wenn man ihnen häufig Geschichten erzählt. Es werden Bilder für das „innere“ Auge beschrieben, so können mehr Gefühle entstehen, als bei Geschichten über den Bildschirm.  

Geschichten, die frei erzählt werden, bleiben dem Publikum besser im Gedächtnis, als Abgelesenes. Erzähler und Zuhörer bilden eine Gemeinschaft,  wird aufmerksam zugehört, wird die Geschichte besser. Das funktioniert auch andersherum, wird Geschichte gut erzählt wird, wird das Publikum aufmerksamer. Das Erzählen wird als unterhaltender empfunden als Vor-Lesen.

Wenn man eine Geschichte häufig erzählt,  besteht die Gefahr dass man anfängt zu leiern, oder sich selbst beim Erzählen langweilt, das ist der Zeitpunkt eine neue Geschichte zu lernen.

Geschichten wurden früher fast ausschließlich erzählt. Es gab die Tradition bzw. Berufsstand des Geschichtenerzählers, so lange das Schreiben und Lesen nicht verbreitet war. Gedichte, also Geschichten in Reimform, lassen sich leichter merken ebenso wie Geschichten mit häufigen Wiederholungen.

Daniela duzt generell sowohl Kinder als auch Erwachsene. Das distanzierte „Sie“ findet sie in der heimeligen Stimmung unpassend. 

Daniela schätzt beim Erzählen und Nachspielen von Märchen Gruppen von 6-12 Kindern, in Schulklassen wird es mitunter wegen der Anzahl der Kinder schwierigerer, dann muss sie sich auf die Güte der Geschichte verlassen und da eignen sich immer am besten die Märchen.

Klang der Zimbeln - Stille vor Erzählbeginn
Klang der Zimbeln - Stille vor Erzählbeginn

Wenn Daniela mit dem Erzählen beginnen möchte, lässt sie ein Paar Zimbeln dreimal anklingen und fordert zuvor die Kinder auf, den Arm zu heben, wenn sie vom Klang der Zimbeln nichts mehr hören. So wird die Konzentration und das Zuhören geschult bzw. aktiviert.
Nachdem sie die Geschichte frei erzählt hat, kann sich jedes Kind eine Rolle aus der Geschichte auswählen (es gibt meist auch eine Menge Bäume oder sogar Publikum, damit jeder eine Rolle bekommt) und kann sich entsprechend einkleiden. Beim Geschichtenerzählen hat Daniela immer einen Koffer mit Verkleidungsgegenständen dabei.
Nun spielen die Kinder das einmal gehörte Stück nach. Nur bei inhaltlichen „Hängern“ greift Daniela ein und erzählt dann ein kleines, aber wichtiges Stück der Geschichte, bevor sie den Kindern wieder freien Lauf lässt.
Die gespielte Geschichte dauert deutlich länger als das Erzählen. Auch das Einkleiden ist als Zeitfaktor zu beachten.

Daniela erzählte das steirische Märchen "Die Natternkönigin".

Dann durften alle 40 Teilnehmer in ihre Rollen schlüpfen und die Geschichte nacherzählen.

Dabei sprach Valentin die Dinge, die keine Handlungen waren so nach, als würde er im Selbstgespräch sinnieren „Ja wo sind denn nur meine Eltern? Ich kann sie nicht finden. – Ich habe solch einen Hunger und es ist nichts zum Essen in der Speisekammer. Ich muss wohl ins Dorf gehen und hoffen, dass ich etwas zu essen bekomme.“

Beim Spiel der Geschichte stellten sich einige grandiose Schauspieltalente heraus und alle hatten viel Freude dabei. Es war wirklich erstaunlich, dass sich jeder nach dem einmaligen Vortragen der Geschichte noch so genau an den Inhalt erinnern und das auch wiedergeben konnte.

Gutgelaunter Valentin zu Besuch im Dorf

Gutgelaunter Valentin zu Besuch im Dorf

Schlange frisst Valentins Erdbeeren im Wald

Schlange frisst Valentins Erdbeeren im Wald

Valentin hält Schlange fest

Valentin hält Schlange fest

Graf schluckt die Krone aus lauter Gier

Graf schluckt die Krone aus lauter Gier

Der Bauch des Grafen füllt sich mit Goldmünzen bis er im Berg versinkt

Der Bauch des Grafen füllt sich mit Goldmünzen bis er im Berg versinkt

Thomas bedankte sich bei allen für das unterhaltsame Spiel und vor allem bei Daniela für die interessante und "mutmachende" Einführung ins Geschichtenerzählen.